Dienstag, 18. November 2008

Patienten werden immer jünger

WELTDIABETESTAG

Arzt empfiehlt gesunde Ernährung und mehr Sport. Umzugspläne für nächstes Jahr.

Patienten werden immer jünger

Im nächsten Sommer will Karsten Milek mit seinem siebenköpfigen Team in ein neues, größeres und modernes diabetologisches Schulungszentrum im Herzen der Stadt Hohenmölsen einziehen. "Viele Patienten haben in letzter Zeit aufgeregt nachgefragt, weil sie dachten, ich schließe meine Praxis. Doch ich bleibe Hohenmölsen treu", versicherte der Mediziner. Grund für die Unruhe sind die Schließung der Asklepios-Klinik in der Stadt der drei Türme und der geplante Abriss des Gebäudes (die MZ berichtete).


Milek hat seine Praxis mit Schulungsräumen und Lehrküche im Krankenhaustrakt. Er muss die Räume verlassen und will sich Mitte 2009 im Stadtzentrum niederlassen. Bis es soweit ist, behandelt er weiter in der Hohenmölsener Klinik und steht einmal in der Woche in seiner zweiten Praxis in Weißenfels zur Verfügung. Die Patienten kommen aus einem großen Einzugsgebiet. Bis nach Gera, Querfurt, Altenburg und Halle hat sich der Ruf des Zentrums herum gesprochen. Inzwischen nutzen auch Ernährungskurse die Lehrküche und lassen sich von den Mitarbeitern über gesunde Lebensweise aufklären.

Am gestrigen Weltdiabetikertag machte Milek noch einmal auf die Gefahren der Volkskrankheit aufmerksam, bei der es zur Überzuckerung des Blutes kommt. Erschreckend sei, dass zunehmend Patienten schon in jungen Jahren erkranken. "Liter große Colabecher im Kino und XXL-Portionen in Gaststätten, überall wird das Ungesunde angeboten, und meist zu billigen Preisen. Da ist es kein Wunder, dass schon Zwölfjährige an Altersdiabetes erkranken", sagte Milek. Er nutzte den Tag, um seine Patienten aufzurütteln und warb für eine gesündere Lebensweise und mehr Bewegung.

Rund sieben Millionen Deutsche sind als erkrankt dokumentiert. Experten schätzen, dass noch einmal fünf bis sieben Millionen gar nicht wissen, dass sie gefährdet sind oder bereits an der Stoffwechselkrankheit leiden. Frühzeitig zum Arzt gehen, besonders wenn in der Familie und Verwandtschaft schon Fälle von Diabetes aufgetreten sind, rät der Mediziner. "Heute kann man viel machen, um das Voranschreiten hinauszuschieben", sagte Karsten Milek. Es gebe nicht mehr nur Insulin zur Behandlung, sondern viele neue Medikamente. Es gar nicht so weit kommen zu lassen, sei die beste Alternative.

Artikel von Claudia Petasch, erschienen in der Mitteldeutschen Zeitung vom  15.11.2008

Sonntag, 16. November 2008

Ursachen für Krankheit noch nicht geklärt

JUGENDLICHE DIABETES

Ursachen für Krankheit noch nicht geklärt

Zur Zeit leben in Deutschland etwa 25 000 Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes. Bereits seit längerem wird beobachtet, dass weltweit immer mehr Kinder an dieser chronischen Stoffwechselkrankheit erkranken. In den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil der unter 15-Jährigen fast verdoppelt, wie eine Studie aus Großbritannien ergab. "Warum die Zahl der Kinder, die an Diabetes erkranken, von Jahr zu Jahr zunimmt, wird noch erforscht", sagt Dr. Karsten Milek von der diabetologischen Schwerpunktpraxis in Hohenmölsen, der Josefin Müller betreut. Eine Ursache könnten Umwelteinflüsse spielen. Milek spricht bei dem jugendlichen Diabetes von einer autoimmunen Erkrankung. Dabei kommt es zu einer Fehlprogrammierung des menschlichen Abwehrsystems, bei der in diesem Fall insulinproduzierende Zellen vernichtet werden.


Beitrag erschienen in der Mitteldeutschen Zeitung vom 14.11.2008

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Trotz Typ-1-Diabetes: Sport treiben, Spaß haben und Sorgen loswerden

Im „My Camp D“ treffen sich Hunderte junger Menschen zum Erfahrungsaustausch

BAD SEGEBERG – Der Turnierplatz hat sich in ein riesiges Erlebniscamp verwandelt. Mehr als 700 junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren treffen sich hier in Bad Segeberg. Ihr gemeinsames Schicksal: Sie sind Typ-1-Diabetiker. Doch krank fühlen sie sich deshalb nicht.



Artikel aus Medical Tribune Nr. 3, September 2008 --> LINK zum Artikel, bitte klicken

Donnerstag, 18. September 2008

Ein Diätbier und mehr für Diabetiker

Guter Rat im Rathaus: Betroffene erfahren an Messeständen viel Wissenswertes.

Ein Diätbier und mehr für Diabetiker

Das Rathaus von Zeitz hatte am Sonnabend seine Türen für den Diabetikertag weit geöffnet. Viele Betroffene kamen, um sich einen guten Rat zu holen. So wurden die Zuhörer durch Oberarzt Dr. Hans Ulrich Seume, langjährig tätig im Klinikum Zeitz und erprobter Diabetes -Therapeut, neugierig gemacht, für sich selbst zu prüfen, ob sie möglichst oft die richtige Menge Insulin zur richtigen Zeit am richtigen Ort haben. Der zweite Vortag von Susanne Milek, Medizinpädagogin aus Hohenmölsen und auch tätig an der christlichen Akademie für Gesundheitsberufe Halle, versuchte klarzumachen, dass Diabetes heute eine gut beherrschbare Erkrankung ist. Die kleine Vortragsreihe klang in diesem Jahr ganz anders aus: mit musikalischer Umrahmung per Video. Kinder, die selbst an Diabetes erkrankt sind, machten den zumeist älteren Zeitzer Zuhörern mit ihrem fröhlichen Lied Mut, sich der Erkrankung noch besser zu stellen.

Barbara Cornelius, Doris Nass, Regina Nowak, Margret Strohbach und Familie Theilig waren am Stand der Zeitzer und Droyßiger Selbsthilfegruppen im Deutschen Diabetiker Bund zu finden. Aktive Mitglieder der Gruppen bereiten den Diabetikertag jedes Jahr gründlich vor. Natürlich warben sie auch für eine Mitgliedschaft in der Gruppe, denn der Nachwuchs fehlt auch hier.

Mit einer Flasche Bier verließ Roland Mager das Rathaus. Das gab es am Stand der Köstritzer Brauerei. Schon zum zweiten Mal stelle man dieses Diätprodukt hier vor, erklärte André Simon. Wichtig war ihm, den Besuchern den Unterschied zwischen Bier, alkoholfreiem und Diätbier zu erklären. Die Resonanz an dem kleinen Stand war gut. Weil es schon wichtig sei, wie Mager erklärte, dass man als Diabetiker nicht auf alles verzichten müsse.


Artikel von Angelika Andräs, erschienen in der Mitteldeutschen Zeitung am 15.09.2008

Dienstag, 16. September 2008

AOK-Ferienlager für junge Diabetiker

Kleine Diabetiker und Ferienzeit: Wie wäre es denn mal mit einem Ferienlager? 

Ein Beitrag von Julia, erschienen im dasdiabetesblog.de im September 2008. --> LINK zum Beitrag, bitte klicken.

Freitag, 12. September 2008

Diabetikertag im Zeitzer Rathaus

Verbrauchermesse und Vorträge finden statt

Diabetikertag im Zeitzer Rathaus
Zeitz/MZ. Am Sonnabend findet zum siebzehnten Mal der Diabetikertag im Zeitzer Rathaus statt. Was die Besucher dort erwartet, wollte MZ-Redakteurin Angelika Andräs von einer der Organisatoren der Selbsthilfegruppen, Dr. Ute Haack-Schneider, wissen.

Moment mal
Das MZ-Interview

An wen wendet sich der Diabetikertag?

Haack-Schneider: Die Selbsthilfegruppen des Deutschen Diabetikerbundes laden wieder alle betroffenen, Familienangehörige und Interessierte ins Zeitzer Rathaus ein. Die Schirmherrschaft hat diesmal Oberbürgermeister Ulf Altmann übernommen.

Was erwartet die Besucher?

Haack-Schneider: Die verantwortlichen Mitglieder der Selbsthilfegruppen haben Sorge getragen, dass die Besucher im Foyer des Rathauses eine Verbrauchermesse erwartet. Wie gewohnt werden die in unserer Region diabetologisch tätigen Einrichtungen wie das Agricola-Klinikum und die Schwerpunktpraxen vertreten sein.

Und darüber hinaus?

Haack-Schneider: Die Zeitzer Sonnen-Apotheke, die podologische Praxis Vattes, viele Aussteller von Messgeräten zur Blutzuckerselbstkontrolle, Insulinhersteller, Orthopädieschuhmacher werden vor Ort und gut auf Fragen vorbereitet sein. Für das leibliche Wohl sorgen die Rathaus-Kantine und die an der Ausstellung teilnehmende Brauerei Köstritz.

Es gibt sicher auch Vorträge?

Haack-Schneider: Der erste Vortrag von Oberarzt Seume vom Zeitzer Klinikum beleuchtet das Thema bedarfsgerechte Insulintherapie, der zweite von Gesundheitswissenschaftlerin Susanne Milek aus Hohenmölsen dreht sich um die mentale Seite der Krankheitsbewältigung.

Zeitzer Diabetikertag: Samstag, 13. September, 9 bis 13 Uhr im Rathaus

Interview von Angelika Andräs, erschienen in der Mitteldeutschen Zeitung vom 11.09.2008

Samstag, 16. August 2008

Therapie in der Jugendherberge

Bremsdorf: 60 Kinder und Jugendliche, die an Diabetes mellitus des Typs 1 erkrankt sind, halten sich noch bis zum Sonnabend in der Jugendherberge Bremsdorfer Mühle auf. Dort findet der 17. Kids-Kurs unter dem Motto "Olympia" statt.


Als Dr. Karsten Milek den 60 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 16 Jahren eröffnete, dass der heutige Überraschungsausflug in ein Museum führt, gab es einige lange Gesichter. Um so mehr werden sie heute strahlen: Es geht natürlich nicht ins Museum, sondern ins Eisenhüttenstädter Inselbad.

Dieser Ausflug ist nur einer in der Reihe der vielen Freizeitaktivitäten, die bis zum Sonnabend auf dem Plan stehen. Die 60 Mädchen und Jungen kommen aus ganz Deutschland und haben eine Krankheit, die sie im täglichen Leben wenn nicht behindert, so doch einschränkt: Diabetes mellitus Typ 1.

Da die notwendige Langzeitbehandlung dieser Krankheit enorme alltägliche Anforderungen an die betroffenen Kinder und Jugendlichen stellt, ist nicht nur die Wahl der Insulintherapie, sondern auch die psychologische und schulische Unterstützung in der Diabetestherapie von zentraler Bedeutung. Bei diesen Kids-Kursen lernen sie von Spezialisten, wie sie mit dieser Krankheit trotz allem ein lebenswertes Leben führen können. Beispielsweise "Wie spritze ich mich richtig?" oder "Was ist in den Mahlzeiten?".

"Die Art der Krankheitsbewältigung und das ,Meistern' aktueller Entwicklungsaufgaben sind entscheidend für das Erlangen der Therapieziele im Diabetesmanagement. Damit sie das nicht im Krankenhaus machen müssen, gibt es diese Kids-Kurse", informiert Dr. Karsten Milek. Seit dem 1. Kids-Kurs vor 17 Jahren trägt der Diabetologe, langjähriger Chefarzt der Asklepios-Klinik Hohenmölsen und nun niedergelassener Schwerpunktpraxisarzt mit Diabetesschulungszentrum, die Verantwortung. "Eigentlich hat mir Regine Hildebrandt den Staffelstab in die Hand gedrückt. Sie meinte, diese Diabetesbetreuung von Kindern außerhalb des Krankenhauses muss auch nach der Wende weitergehen", erinnert sich der Arzt, der 2004 für seine Leistungen auf dem Gebiet der Diabetologie und insbesondere der Betreuung der Vorsorgekur mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet wurde.

Der Grundgedanke des Kids-Kurses sei ein kindgerechtes Therapiemanagement. "Entsprechend unserem medizinischen Konzept finden neben vielen Schulungen und medizinischen Untersuchungen auch etliche Ausflüge, Sportwettkämpfe und sonstige Freizeitaktivitäten statt. Damit wollen wir sicherstellen, dass die Kur für die Kinder und Jugendlichen mit Diabetes mellitus gleichzeitig zum Ferienerlebnis wird", sagt Dr. Milek.

Diese Erlebnisse hatten die 60 Kinder und Jugendlichen. Sie haben gekocht und gebacken, eine Disko veranstaltet, Kino geguckt, ein Bergfest gefeiert, gegrillt und sich getreu dem Motto "Olympia" im Volleyball und Fußball geübt. Die Fahnen der teilnehmenden Mannschaften bei Olympia wehen auf der Freilichtbühne. Jede Mannschaft konnte sich für ein Land entscheiden.

Ein Team von 26 Personen, bestehend aus Ärzten, medizinischem Personal und Gruppenhelfern mitsamt aller notwendigen Geräte und Labor sorgt sich um die Mädchen und Jungen. Dabei schaut keiner auf die Uhr. Die Kosten für die 14 Tage lange Kur trägt die Krankenkasse. Allerdings müssen die Eltern der Kinder auch einen Eigenanteil bezahlen.

In der Jugendherberge Bremsdorfer Mühle war der Kurs zum ersten Mal. Aber nicht zum letzten, wie Dr. Milek versicherte. "Wir haben alle erdenkliche Unterstützung durch den Herbergsvater Thomas Schneider. Deshalb kommen wir wieder."

Artikel aus der MOZ, erschienen am 14.08.2008

Donnerstag, 10. Juli 2008

Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 im Wandel

68th Annual Scientific Session der American Diabetes Associaton, San Francisco, 6.-10.6.2008

Auf der diesjahrigen Jahrestagung der ADA in San Francisco wurden zwei Studien vorgestellt, die mit enormem Aufwand und Patientenzahlen von über 10.000 die Frage klären sollten, ob ein niedriger HbA1c das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko tatsächlich reduziert.

In den nächsten Tagen und Wochen werden sicher viele auch subjektiv gefärbte Informationen darüber kursieren. Deshalb soll hier ein kurzer objektiver Überblick gegeben werden:
Im Februar 2008 hatte das US-National Heart, Lung and Blood Institute (NHLBI) die "Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes" oder ACCORD-Studie vorzeitig abgebrochen. Die Studie, an der sich an 77 Zentren in den USA und Kanada insgesamt 10.251 Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus beteiligten, sollte zeigen, dass eine aggressive Senkung der HBA1c-Werte den kardiovaskulären Folgeerkrankungen vorbeugt, die bei Diabetikern die Haupttodesursache sind.

Doch eine Zwischenauswertung nach 3,5 von geplanten 5,6 Jahren ergab, dass die Mortalität der Patienten nicht sinkt, sondern im Gegenteil steigt.
In den letzten Monaten haben die Diabetologen in aller Welt viel über die Gründe gerätselt, ohne die Ergebnisse der Studie zu kennen, denn das NHLBI hatte sich im Februar mit einer Pressemitteilung begnügt.

Rechtzeitig zur Jahrestagung der American Diabetes Association wurden die Ergebnisse der ACCORD-Studie jetzt im New England Journal of Medicine (2008; 358: 2545-2559) publiziert. Sie zeigen zum einen: Eine aggressive HbA1c-Reduktion ist auch bei Patienten mit langjährigem Typ 2 Diabetes mellitus durchaus möglich. Die Diagnose Typ 2 Diabetes mellitus bestand bei den im Durchschnitt 62 Jahre alten Patienten im Mittel bereits seit 10 Jahren und ihr HbA1c -Wert war vor Therapiebeginn mit 8,1 Prozent deutlich erhöht.
Sie wurden damals auf zwei Gruppen randomisiert. In einer wurde eine Standardtherapie mit einem nicht allzu anspruchsvollen HbA1c-Ziel von 7,0 bis 7,9 Prozent angestrebt. Dies wurde auch erreicht. Am Ende lag der durchschnittliche HbA1c-Wert bei 7,5 Prozent. In der zweiten Gruppe wurde versucht, den HbA1c-Wert auf sechs Prozent zu drücken, den Normalwert von Gesunden. Das gelang zwar nicht. Mit einem HbA1c-Wert von durchschnittlich 6,4 Prozent wurde aber eine langfristige Blutzuckerkontrolle erreicht, die den Erfordernissen der Diabetologie mehr als genügt.

In der Praxis gilt eine Therapie als erfolgreich, wenn der HbA1c-Wert auf unter sieben Prozent sinkt. Alle Diabetologen hatten erwartet, dass die aggressive HbA1c-Senkung in der ACCORD-Studie die Prognose der Patienten verbessert, weil sie die kardiovaskulären Spätkomplikationen vermeidet. Im primaren Endpunkt der Studie, dem Composite aus Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzkreislauftod, wurde dies auch erreicht. Er wurde unter der intensiven Strategie von 352 Teilnehmern, unter der aggressiven Strategie dagegen von 371 Teilnehmern erreicht.

Diese Betrachtung wird von den Ergebnissen der ADVANCE-Studie (publiziert N Engl J Med 2008; 358; 2560-2572) gestützt. Hier ergab sich für Patienten mit Typ 2 Diabetes mit einem hohen kardiovaskulären Risiko, die intensiv auf einen HbA1c um 6,5% eingestellt worden waren, eine signifikante Reduktion für mikrovaskuläre Folgeschäden (insbesondere eine Risikoreduktion fur Nephropathien um 21%) sowie eine Tendenz zu weniger makrovaskulären Komplikationen gegenüber einer "Standardbehandlung" mit einem HbA1c um 7,5%. Eine Übersterblichkeit in der intensiver behandelten Gruppe war nicht zu beobachten.

Ein augenscheinlicher Unterschied in den beiden Studien waren die im jeweiligen intensiv behandelten Arm angewendeten Therapieregime. Die Patienten in der ACCORD-Studie erhielten gemäß nordamerikanischen Gepflogenheiten überwiegend eine Mehrfachkombination aus Sulfonylharnstoffen, Metformin, Glitazonen und Insulin. Die Patienten in der in Europa, Asien, Australien und Canada durchgeführten ADVANCE Studie waren dagegen vorwiegend mit Sulfonylharnstoffen und Metformin sowie vergleichsweise seltener mit Insulin und Glitazonen therapiert.

 

ACCORD:

Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes

Kurzbeschreibung (Blutzuckerarm):
10200 Patienten randomisiert in 2 Gruppen mit HbA1c < 6,0% und 7,0-7,9%
Alter der Patienten zu Studienbeginn 62,2 ± 6,8 Jahre, Studiendauer geplant 5,6 Jahre


Ergebnisse zu Studienende:
HbA1c 6,4% versus 7,5%, Primärer Endpunkt in Interventionsgruppe seltener, Gesamtmortalität erhöht!
www.accordtrial.org

ADVANCE:

Action in Diabetes and Vascular Disease.
Preterax® and Diamicron® MR Controlled Evaluation


Kurzbeschreibung (Blutzuckerarm):
11140 Patienten randomisiert in 2 Gruppen mit intensiver (HbA1c < 6,5%) und Standard-Glucosekontrolle.
Alter der Patienten zu Studienbeginn 66 ± 6 Jahre, Studiendauer im Median 5 Jahre


Ergebnisse zu Studienende:
HbA1c 6,5% versus 7,3%, Primarer Endpunkt mikrovaskuläre Komplikationen in Interventionsgruppe signifikant seltener, Gesamtmortalität in beiden Gruppen gleich!
www.advance-trial.com

VADT:

Glycemic Control and Cardiovascular Outcome
The Veterans Affair Diabetes Trial


Kurzbeschreibung:
1731 Patienten randomisiert in 2 Gruppen mit HbA1c < 6,0% und < 9,0%
Alter der Patienten zu Studienbeginn 64 ± 9,5 Jahre, Studiendauer 6 Jahre


Ergebnisse zu Studienende:
HbA1c 6,9% versus 8,4%, kein signifikanter Unterschied hinsichtlich kardiovaskulärer Mortalität.
Die ausführlichen Studienergebnisse stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zu Verfügung!


Dr. Martin Schönauer praxis@schoenauer-leipzig.de

Dr. Karsten Milek office@doc-milek.de

Dr. Jorg Steindorf jsteindorf@praxis-steindorf.de

Dr. Birgit Höne Birgit_hoene@web.de

Dr. Tina Mühlberg muehlberg.t@gmx.de

Quelle: Diabetes Akademie Leipzig, 01.07.2008

Dienstag, 10. Juni 2008

Moderne Insuline – moderne Konzepte

Moderne Insuline – moderne Konzepte

Die SIT-Studie: Patienten mit Typ 2 Diabetes „fix“ oder „flexibel“ therapieren?


München (30. Mai 2008) – Eine supplementäre Insulintherapie (SIT) mit Levemir® und NovoRapid® kann die Stoffwechsellage bei Patienten mit Typ 2 Diabetes, die mit ihrer bis­herigen Therapie keinen zufriedenstellenden HbA1c-Wert erreicht haben, ent­schei­dend verbessern. Das war das Fazit der Referenten bei einem Pressegespräch von Novo Nordisk am 30. Mai 2008 in München. Dr. Karsten Milek, Hohen­mölsen, und Dr. Erik Wizemann, Herrenberg, präsentieren die SIT-Studie, die zwei gängige Therapiekonzepte einer Basis-Bolus-Therapie mit Levemir® (Insulindetemir) und NovoRapid® (Insulinaspart) verglichen hat: ein flexibles Regime (FLEX) und ein Schema mit festen Insulindosierungen (FIX). Beide Regime waren effektiv und zeigten sich unter anderem mit einer geringen Hypoglykämierate als sicher. Gleichzeitig konnte trotz der Intensivierung in beiden Therapiearmen eine hohe Therapiezufriedenheit aufgezeigt werden. Die Experten betonten, dass die beiden Thera­pieansätze die Möglichkeit bieten, jeden Patienten individuell zu behandeln und damit den größtmöglichen Benefit der Behandlung zu erzielen.

„Messlatte für eine gute Insulintherapie ist das Erreichen möglichst normnaher Therapie­ziele. Dies gelingt langfristig meist nur über einen möglichst physiologischen Therapie­ansatz. In der Praxis heißt das, kurz und lang wirksames Insulin gezielt dort zu ersetzen, wo es aufgrund der nachlassenden Sekretion bei Typ 2 Diabetes fehlt“, führte Dr. Rolf Renner, München, in das Thema ein. Um eine gute Einstellung zu erreichen, bedarf es daher häufig des Zusammen­spiels von modernen Therapiekonzepten und der ver­besserten Kinetik moderner Insuline, betonte Wizemann. Dabei hat sich zur effektiven Intensivierung verschiedener Einstiegs­therapien insbesondere die supplementäre Insulintherapie bewährt – eine Kombination mit kurz wirksamen Insulinen zu den Mahlzeiten und, falls nötig, einem Verzögerungs­insulin über die Nacht. Dieses Konzept lässt sich sinnvoll mit Metformin zur Verbesserung der Resistenzlage ergänzen.


Studiendesign: FIX oder FLEX
Wizemann stellte das Design der SIT-Studie mit den zwei Therapieansätzen vor: zum einen das flexible Therapieschema (FLEX), angelehnt an die intensivierte Insulintherapie des Typ 1 Diabetes mit mehrmals täglichem Blutzuckermonitoring, Kohlenhydrat-adaptierter Insulin­dosierung durch den Patienten, Korrektur erhöhter Blutzuckerwerte und entsprechend ausgedehnter Schulung. Zum anderen wurde ein fixes Regime (FIX) mit festen Insulindosierungen und sporadischer Blutzucker­kontrolle an maximal zwei Tagen der Woche durch­geführt. In die 52-wöchige, randomisierte, kontrollierte Multicenter-Parallelgruppen-Studie wur­den 373 Patienten mit Typ 2 Diabetes eingeschlossen, bei denen sich mit der bisherigen Therapie – bestehend aus oralen Antidiabetika und/oder Misch- bzw. Verzögerungsinsulin – keine ausreichende Blutzucker­kontrolle erzielen ließ. Die Patienten wurden in 62 diabetolo­gischen Schwer­punktpraxen in Deutschland im Verhältnis 1:1 in die Gruppen FIX oder FLEX rando­misiert.


Deutliche Verbesserung des HbA1c in beiden Studiengruppen
Laut Milek war in beiden Gruppen nach 52 Wochen eine Verbesserung des HbA1c auf Werte unter 7,0 Prozent erreicht worden, die jedoch in der FLEX-Gruppe signifikant größer war als in der FIX-Gruppe. So ging der HbA1c-Wert in der FIX-Gruppe von durchschnittlich 8,20 Prozent auf 6,81 Prozent zurück, in der FLEX-Gruppe von 8,24 Prozent auf 6,60 Prozent (p=0,0191).(1) Allerdings war dieser Gewinn mit einer etwa doppelt so langen Schulungsdauer sowie relevant vermehrten Ressourcen bezüglich des Therapiemonitorings verbunden.(2)

Hohe Therapiezufriedenheit – geringe Gewichtszunahme und wenige Hypoglykämien
Therapie­zufriedenheit und Lebensqualität der Patienten stiegen im Vergleich zu den Ausgangswerten in beiden Gruppen – trotz erstmaliger Insulintherapie bei knapp der Hälfte der Patienten – sogar tendenziell leicht an und waren am Ende der Studie vergleich­bar gut.(3) Milek betonte, dass diesen Daten zufolge auch die häufigere Blutzuckerkontrolle in der FLEX-Gruppe von den Patienten demnach nicht als Belastung empfunden wurde.

Zwei weitere Aspekte können laut Milek zur Therapiezufriedenheit der Patienten beitragen: Zum einen war in beiden Gruppen nach 52 Wochen nur eine sehr moderate Gewichtszunahme zu verzeichnen; der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant. Zum anderen traten im Studienzeitraum relativ wenige Hypoglykämien auf: Etwa die Hälfte aller Patienten beider Studiengruppen zeigte im Studienverlauf gar keine Hypoglykämien, schwere Hypoglykämien waren mit je einem Ereignis in jeder Gruppe über ein Jahr sehr selten.(3)


Insulindetemir einmal täglich
In beiden Studiengruppen wurde zunächst zu den Mahlzeiten NovoRapid® verabreicht, über 80 Prozent der Patienten verwendeten im Verlauf zusätzlich Levemir® als Basal­insulin. Über 98 Prozent der Patienten, die in der SIT-Studie Verzögerungsinsulin erhielten, spritzten Levemir® einmal täglich.(2) Renner wies darauf hin, dass das im Einklang mit den verfügbaren Clampdaten(4) steht, die im klinisch relevanten Dosisbereich eine vergleichbare Wirkkinetik von Insulindetemir und Insulinglargin bei Typ 2 Diabetes zeigen. Für Insulindetemir bestehe allerdings eine signifikant geringere Variabilität der Wirkung.(5) „Die Ergebnisse der SIT-Studie stützen den einmal täglichen Einsatz von Levemir® zur effektiven Therapie des Typ 2 Diabetes in der Praxis“, so Renner weiter.


Quellen
Milek K et al. Diabetologie 2008;3 (Suppl.1):S74 (P213)
Rendschmidt T et al. Diabetologie 2008;3 (Suppl.1):S74 (P214)
Wizemann E et al. Diabetologie 2008;3 (Suppl.1):S111-112 (P329)
Heise T, Pieber TR Diab Obes Metab 2007;9:648-659
Heise T et al. Diabetes 2004;53:1614-1620

Quelle: Pressegespräch der Firma Novo Nordisk zum Thema “Basis-Bolus Therapie bei Typ 2 Diabetes: Was spricht für eine Kombination moderner Insuline?” am 30.05.08 in München (3K-Agentur für Kommunikation).

Donnerstag, 8. Mai 2008

Flexible Dosierung von Vorteil bei supplementärer Insulintherapie

Niedrigere HbA1c-Werte durch Kohlenhydrat-adaptierte Anpassung der Insulindosis

MÜNCHEN (djb). Die supplementäre Insulintherapie (SIT) bei Typ-2 Diabetes ergänzt durch die Kombination aus einem kurz wirksamen Insulin zu den Mahlzeiten und einem Verzögerungsinsulin zur Nacht gezielt die fehlende prandiale und basale Insulinsekretion. Ein flexibles Therapieschema bringt im Vergleich zu einem fixen Schema Vorteile, hat die SIT-Studie ergeben.

In der deutschlandweiten SIT-Studie wurden Wirksamkeit, Sicherheit und Therapiezufriedenheit von zwei unterschiedlichen SIT-Therapieansätzen geprüft. Die Ergebnisse haben Dr. Karsten Milek aus Hohenmölsen und Dr. Erik Wizemann aus Herrenberg bei einem Symposium von Novo Nordisk beim Diabetes-Kongress in München vorgestellt.

An der Studie nahmen 373 unzureichend eingestellte Typ-2-Diabetiker teil. Behandelt wurden die Patienten entweder:
  • nach einem flexiblen Schema (FLEX) mit engem Blutzuckermonitoring, Kohlenhydrat-adaptierter Insulindosisanpassung durch die Patienten und einer intensiven Schulung oder
  • nach einem einfachen Schema mit fester Dosierung (FIX) und seltener Blutzuckerkontrolle (maximal zwei Tagesprofile pro Woche).
Beide Gruppen erhielten das kurz wirksame Insulinanalogon Insulin-aspart (NovoRapid®) zu den Mahlzeiten und das lang wirksame Basisinsulin Insulindetemir (Levemir®) bzw. Metformin bei Bedarf.

Das flexible Schema ist zu Beginn etwas aufwändiger als das fixe.
Die Analyse bei 312 Patienten ergab nach einem Jahr für das flexible SIT-Schema einen signifikanten Vorteil bei den HbA1c-Werten gegenüber dem FIX-Schema (6,6 versus 6,8 Prozent). Ein Trend zugunsten der FLEX Gruppe ergab sich auch beim Anteil der Patienten, die den HbA1c-Zielwert kleiner 7 Prozent erreichten. Dieser lag in der FLEX-Gruppe bei 69 Prozent und in der FIX-Gruppe bei 61 Prozent (nicht signifikant).

Während der zwölfwöchigen Schulungs- und Titrationsphase war in der FLEX-Gruppe allerdings ein erhöhter Ressourcenaufwand an Schulungszeit und Blutzucker-Monitoring erforderlich. Das fixe Schema bot dagegen die Möglichkeit, die Frequenz der Blutzuckerkontrollen zu reduzieren.

Beide Konzepte hätten sich als wirksam und sicher erwiesen, haben die Mediziner berichtet. In puncto prandiale Blutzuckerregulation, Therapiezufriedenheit und Rate an unerwünschten Ereignissen waren keine signifikanten Unterschiede zu beobachten. Schwere Hypoglykämien traten in beiden Gruppen über 52 Wochen nur je einmal auf.

Artikel in der Ärzte Zeitung vom 06.05.2008

Dienstag, 1. Januar 2008

Ferien mit Lerneffekt

Blutzucker messen, Insulin spritzen: Der Diabetes verlangt von kleinen Patienten große Disziplin. Im KidsKurs im brandenburgischen Kolberg haben die Mädchen und Jungen dennoch jede Menge Spaß – und lernen nebenbei, wie sie ihre Krankheit in den Griff bekommen.  

Ein Beitrag von Änne Töpfer, erschienen in Gesundheit + Gesellschaft 12/07.

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