Samstag, 16. August 2008

Therapie in der Jugendherberge

Bremsdorf: 60 Kinder und Jugendliche, die an Diabetes mellitus des Typs 1 erkrankt sind, halten sich noch bis zum Sonnabend in der Jugendherberge Bremsdorfer Mühle auf. Dort findet der 17. Kids-Kurs unter dem Motto "Olympia" statt.


Als Dr. Karsten Milek den 60 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 16 Jahren eröffnete, dass der heutige Überraschungsausflug in ein Museum führt, gab es einige lange Gesichter. Um so mehr werden sie heute strahlen: Es geht natürlich nicht ins Museum, sondern ins Eisenhüttenstädter Inselbad.

Dieser Ausflug ist nur einer in der Reihe der vielen Freizeitaktivitäten, die bis zum Sonnabend auf dem Plan stehen. Die 60 Mädchen und Jungen kommen aus ganz Deutschland und haben eine Krankheit, die sie im täglichen Leben wenn nicht behindert, so doch einschränkt: Diabetes mellitus Typ 1.

Da die notwendige Langzeitbehandlung dieser Krankheit enorme alltägliche Anforderungen an die betroffenen Kinder und Jugendlichen stellt, ist nicht nur die Wahl der Insulintherapie, sondern auch die psychologische und schulische Unterstützung in der Diabetestherapie von zentraler Bedeutung. Bei diesen Kids-Kursen lernen sie von Spezialisten, wie sie mit dieser Krankheit trotz allem ein lebenswertes Leben führen können. Beispielsweise "Wie spritze ich mich richtig?" oder "Was ist in den Mahlzeiten?".

"Die Art der Krankheitsbewältigung und das ,Meistern' aktueller Entwicklungsaufgaben sind entscheidend für das Erlangen der Therapieziele im Diabetesmanagement. Damit sie das nicht im Krankenhaus machen müssen, gibt es diese Kids-Kurse", informiert Dr. Karsten Milek. Seit dem 1. Kids-Kurs vor 17 Jahren trägt der Diabetologe, langjähriger Chefarzt der Asklepios-Klinik Hohenmölsen und nun niedergelassener Schwerpunktpraxisarzt mit Diabetesschulungszentrum, die Verantwortung. "Eigentlich hat mir Regine Hildebrandt den Staffelstab in die Hand gedrückt. Sie meinte, diese Diabetesbetreuung von Kindern außerhalb des Krankenhauses muss auch nach der Wende weitergehen", erinnert sich der Arzt, der 2004 für seine Leistungen auf dem Gebiet der Diabetologie und insbesondere der Betreuung der Vorsorgekur mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet wurde.

Der Grundgedanke des Kids-Kurses sei ein kindgerechtes Therapiemanagement. "Entsprechend unserem medizinischen Konzept finden neben vielen Schulungen und medizinischen Untersuchungen auch etliche Ausflüge, Sportwettkämpfe und sonstige Freizeitaktivitäten statt. Damit wollen wir sicherstellen, dass die Kur für die Kinder und Jugendlichen mit Diabetes mellitus gleichzeitig zum Ferienerlebnis wird", sagt Dr. Milek.

Diese Erlebnisse hatten die 60 Kinder und Jugendlichen. Sie haben gekocht und gebacken, eine Disko veranstaltet, Kino geguckt, ein Bergfest gefeiert, gegrillt und sich getreu dem Motto "Olympia" im Volleyball und Fußball geübt. Die Fahnen der teilnehmenden Mannschaften bei Olympia wehen auf der Freilichtbühne. Jede Mannschaft konnte sich für ein Land entscheiden.

Ein Team von 26 Personen, bestehend aus Ärzten, medizinischem Personal und Gruppenhelfern mitsamt aller notwendigen Geräte und Labor sorgt sich um die Mädchen und Jungen. Dabei schaut keiner auf die Uhr. Die Kosten für die 14 Tage lange Kur trägt die Krankenkasse. Allerdings müssen die Eltern der Kinder auch einen Eigenanteil bezahlen.

In der Jugendherberge Bremsdorfer Mühle war der Kurs zum ersten Mal. Aber nicht zum letzten, wie Dr. Milek versicherte. "Wir haben alle erdenkliche Unterstützung durch den Herbergsvater Thomas Schneider. Deshalb kommen wir wieder."

Artikel aus der MOZ, erschienen am 14.08.2008