Freitag, 2. Oktober 2009

Pizza aus Plaste und eine lange Schlange für den Pieks

Elfter Diabetestag mit Eröffnung eines neuen Diabeteszentrums.

Pizza aus Plaste und eine lange Schlange für den Pieks

HOHENMÖLSEN/MZ - Wenn in Hohenmölsen der Fanfarenzug aufmarschiert, dann passiert meistens etwas Besonderes. So am Sonnabend kurz vor neun Uhr. Mit Trommelwirbel und Fanfarenklang sowie dem geistlichen Segen durch Pfarrer Thomas Wisch ist das neue Diabeteszentrum von Hohenmölsen seiner Bestimmung übergeben worden. Bauträger Udo Anders übergab Schlüssel und Papiere nach einer Rekordbauzeit von nur acht Monaten an den Mediziner Karsten Milek.

Nachdem er mit seiner Praxis aus dem ehemaligen Krankenhaus der Stadt ausziehen musste, hatte der 48-Jährige den Entschluss gefasst, auf eigene Kosten, er spricht von einem Millionenobjekt, ein Diabeteszentrum bauen zu lassen. "An der Pforte 5" ist nun die neue Adresse. "Hohenmölsen und Milek gehören einfach zusammen. Auch die gute Zusammenarbeit mit der Stadt haben mich dazu bewogen, hier bauen zu lassen", meinte er gegenüber der MZ als Begründung für den Neuanfang und betonte, dass seine Praxis in Weißenfels auf alle Fälle erhalten bleibt.

In absehbarer Zeit werde dort ein Ärztehaus errichtet, wo er dann auch seine Räume erhalte. Das Diabeteszentrum, so erläuterte der Facharzt, ist in Deutschland eine der Schwerpunktpraxen, in der die modernsten Medikamente getestet werden und zähle zu den anerkanntesten der elf Schulungszentren in der Bundesrepublik.

"Hohenmölsen und Milek gehören zusammen."
In Sachsen-Anhalt sei das Zentrum wegen seiner aktiven Forschungsarbeit besonders geschätzt. Das neue Gebäude biete nun noch bessere Möglichkeiten für die Ausbildung im Studiensaal als auch in der großen Lehrküche. Milek dazu: "Bei Diabetes handelt es sich um eine Volkskrankheit. Da können wir nicht genug schulen."

Warum darüber reden, wenn man es auch in Augenschein nehmen kann. Der Hausherr lud gleich zur Eröffnung zum elften Diabetestag in Hohenmölsen ein - und Hunderte aus der Region nahmen dies gern zum Anlass, sich mit dem Objekt im Zentrum der Stadt vertraut zu machen. In den Behandlungsräumen klärten die Mitarbeiter verschiedener Unternehmen über neue Spritzmethoden und Medikamente auf. In einigen Räumen konnten sich die Patienten auch den Fußdruck messen lassen. Schlange stehen hieß es hier für den Pieks, um den Blutzucker durch Schwester Kati Noack bestimmen zu lassen.

Anke Leger und deren Tochter machten sich mit der Lehrküche in der ersten Etage vertraut. Jessy ist 13 Jahre alt. Seit drei Jahren hat sie Diabetes. "Es war ein Schock für die ganze Familie", erzählt die Mutter. An die konsequente Therapie durch Diabetologen Karsten Milek, die gesunde Ernährung und die Medikamente musste sich das Mädchen erst gewöhnen. "Jetzt ist vieles schon Routine", schilderte sie. Fünf Mal am Tag müsse sie den Blutzucker bestimmen und sich ebenso oft mit Insulin spritzen. Der Pen, die moderne Spritze, sei jeden Tag mit im Ranzen. "Meine Freundinnen in der Sekundarschule wissen das", sagte sie. In der Lehrküche entdeckt sie viel Neues. Naturgetreu sind hier viele Lebensmittel nachgebildet. Für alle gibt es die Anleitung, wie viel ein Diabetespatient davon essen darf. Pizza mag Jessy ganz besonders. Diätassistentin Anja Vogt gab viele Tipps. "Jeden Tag finden hier in der Lehrküche Schulungen mit rund zehn Teilnehmern statt. Es ist wichtig, dass Neulinge das unter fachlicher Anleitung machen", erklärte sie und Jessy hörte aufmerksam zu.

Die Praxis ist unter der Telefonnummer 034441/99 02 99 zu erreichen.


Artikel von Petra Wozny, erschienen in der Mitteldeutschen Zeitung vom 31.08.2009