Samstag, 22. Januar 2011

FINE STAR: Sieger 2010

Ferienfreizeit mit 19-jähriger Tradition überzeugt FINE STAR-JuryIn 14 Tagen um die Welt: 80 Kinder mit Diabetes und ihr „Doc Milek“

KiDS-Kurs gewinnt den mit 5.000 Euro dotierten 2. Platz beim FINE STAR 2010, dem Bayer Preis für kreative Kinderdiabetesprojekte


Nach monatelangen Verhandlungen mit der Krankenkasse kam im vergangenen Juni endlich die Zusage. Vier Wochen später durfte der 8-jährige Niklas seinen Koffer packen und zu einer abenteuerlichen Reise aufbrechen: In einem Feriencamp im brandenburgischen Schlaubetal schlürfte er englischen Tee wie in London und ließ sich amerikanische Hot Dogs schmecken. Er machte eine Safari durch den brandenburgischen „Dschungel“ und saß am Lagerfeuer wie die Indianer. Er lauschte gespannt den gruseligen Vampirgeschichten aus Transsilvanien und genoss im Freibad den Hochsommer wie an der brasilianischen Copacabana. Gemeinsam mit 79 anderen Kindern entdeckte Michael in 14 Tagen die Welt. Das Ziel seiner phantasievollen Reise um den Globus war die Erkenntnis: „Ich kann über Grenzen gehen und alles schaffen“ – trotz Diabetes im Gepäck.

Doc Milek und das „Unternehmen“ KiDS-Kurs

Seit 19 Jahren organisiert der Diabetologe Dr. Karsten Milek den KiDS-Kurs, ein zweiwöchiges Ferienlager für rund 80 Kinder und Jugendliche mit Diabetes. Die Idee stammt aus den Tagen der DDR, als Ferienfreizeiten für chronisch kranke Kinder eine selbstverständliche Leistung der Krankenkasse waren. Nach der Wende setzte sich die damalige Gesundheitsministerin Regine Hildebrandt für die Fortführung der Camps ein und fand 1992 in dem damaligen Assistenzarzt Milek einen engagierten Mitstreiter. Doch um das „Unternehmen“ KiDS-Kurs am Leben zu erhalten, musste dieser von Anfang an viele Hürden überwinden – und bis heute bei den Krankenkassen eine Menge Überzeugungsarbeit leisten. Damit 80 Kinder teilnehmen können, muss der niedergelassene Diabetologe viele Details minutiös planen, jedes Jahr hunderte Krankenkassen-Anträge ausfüllen, zahllose Gespräche führen, Briefe schreiben und Eltern Mut zusprechen. Doch wenn es um „seine“ Kids geht, gibt Doc Milek, wie ihn hier alle nennen, nicht auf. Und weil noch immer einige Krankenkassen das Camp für ein „sozialistisches Experiment“ halten, hat er gemeinsam mit seiner Frau, der Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Susanne Milek, sogar eine Studie durchgeführt, die dessen medizinischen Nutzen untermauert. Der KiDS-Kurs ist Karsten Mileks „Baby“. Für Kinder und Jugendliche bewältigt er jedes Jahr auf`s Neue dieses Mammutprojekt, denn, so der vierfache Vater: „Sie sind die wichtigste und ehrlichste Patientengruppe und brauchen unsere Hilfe bei der Bewältigung des Diabetes“. Für seinen Einsatz wurde dem Diabetologen bereits 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Jetzt kann er sich über eine weitere Würdigung freuen: 2010 wurde der KiDS-Kurs mit dem zweiten Platz des FINE STAR Bayer-Preises für kreative Kinderdiabetes Projekte und einem Preisgeld von 5.000 Euro ausgezeichnet.

„Mehr als 1500 Kinder konnten bisher an den Camps teilnehmen und viel Mut, Kraft und Wissen für den täglichen Umgang mit dem Diabetes tanken. Das enorme persönliche Engagement, die Organisationsleistung und die Kreativität, die hinter dem KiDS-Kurs stecken, haben uns begeistert“, begründet Claudia Geis, FINE STAR-Jurymitglied und Leiterin von Bayer Vital/Diabetes Care, die Entscheidung.

Weltreisende, Pokemons und Ritter treffen sich im „MedPunkt“

17. Juli 2010, Ankunft in der Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“ im brandenburgischen Schlaubetal: Nach einem ausführlichen Aufnahmegespräch heißt es auch für Niklas Abschied nehmen von seinen Eltern. Zwei Wochen lang werden die Kids im Alter von sechs bis 16 Jahren fern von zu Hause sein – manche zum ersten Mal in ihrem Leben. Viele von ihnen müssen erst lernen, eigenverantwortlich und selbständig mit dem Diabetes umzugehen. „Nicht jedes Kind ist am Anfang von dieser Idee begeistert“, berichtet Dr. Karsten Milek, „doch spätestens nach ein paar Tagen knacken wir sie alle“. Beim KiDS-Kurs gibt es Regeln, deren Befolgung oberste Pflicht ist – besonders, wenn es um die disziplinierte Einhaltung der Therapie geht. Dabei unterstützt und hilft den Kindern ein 26-köpfiges Team aus Diabetologen, Medizinpädagogen, Diabetesberaterinnen, Diätassistentinnen und MTA. Ihre Basisstation ist der „MedPunkt“, eine Art mobile Diabetesklinik. Rund um die Uhr sind die Betreuer hier im Einsatz, um im Camp eine medizinische Versorgung zu gewährleisten, die mit einem stationären Aufenthalt vergleichbar ist. „80 Kinder mit Diabetes gleichzeitig zu verpflegen, ist schon eine logistische Herausforderung“, erklärt Doc Milek. Doch dabei bleibt es nicht. Auf dem Programm stehen vor allem Spiele, Radtouren, Ausflüge, Lagerfeuer, Wettkämpfe und – fast unbemerkt – auch altersspezifische Diabetes-Schulungen. Während die Kleinen spielerisch lernen, was es mit Über- und Unterzuckerung auf sich hat, stehen bei den Großen Themen wie „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“ oder „Diabetes und Drogen“ hoch im Kurs. Das persönliche Erlebnis der Kinder, in der Gemeinschaft sportliche und persönliche Herausforderungen zu bestehen, verbunden mit intensiver medizinischer Betreuung – das sind die Erfolgsfaktoren des KiDS-Kurs. Jedes Jahr findet das Projekt unter einem neuen kreativen Motto statt. So schlüpften die Kinder in die Welt von Rittern, Indianern oder Pokemons. Sie lebten im All und unter Wasser, feierten den Superstar oder die Mini-WM. Immer dabei: Diabolus, das kleine teuflische Maskottchen, das die Kinder und Jugendlichen auch im vergangenen Jahr begleitete – bei ihrer „Reise“ um die Welt. Dass jedes Motto mit Phantasie, Spaß und viel Leben erfüllt wird, dafür sorgen auch die vielen ehrenamtlichen Helfer, die zum Teil früher selbst einmal Teilnehmer waren. Als Betroffene haben sie stets ein offenes Ohr für die großen und kleinen Sorgen der Kids und sind wichtige Vorbilder. Die Kinder und Jugendlichen sollen sehen, dass sie trotz der Erkrankung in jeder Beziehung erfolgreich sein können.

Nach dem Kurs ist vor dem Kurs

Fremde Länder, ereignisreiche Ausflüge und leckeres Essen – eine Weltreise schweißt zusammen. Und so flossen beim großen Abschlussfest des KiDS-Kurs auch im letzten Sommer viele Abschiedstränen. Spätestens beim nächsten KiDS-Kurs wollen sich alle wieder treffen, dann wird das Ferienlager zum 20. Mal stattfinden. Und Doc Milek? Seit die Zelte im Schlaubetal abgebrochen wurden, verhandelt er wieder mit den Krankenkassen und streitet mit ihnen für die jungen Diabetespatienten um eine altersgerechte Schulung außerhalb der Klinik. Damit 80 Kids wie Niklas in 2011 dabei sein dürfen, wenn es heißt: Manege frei für den „Circus Diabolus – Best of 20 Jahre KiDS-Kurs“.

Pressemitteilung und Bildquelle: Bayer Vital GmbH, 21.01.2011

Dienstag, 11. Januar 2011

45 Min - Kampf dem Zucker


Acht Millionen Deutsche leiden inzwischen an Diabetes - im Volksmund Zuckerkrankheit. Experten befürchten, dass es innerhalb der nächsten zehn Jahre über zwölf Millionen werden könnten. Diabetes ist die neue Volkskrankheit. Die Patienten werden zudem immer jünger.

Themen der Doku:
* Um was für eine Krankheit handelt es sich? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
* Diabetes-Früherkennung - Was ist sinnvoll?
* Richtig essen als Diabetiker
* Wie leben Kinder mit Diabetes und wie kann man die Krankheit ohne Insulingaben in den Griff bekommen?
* Ben: Ein Diabetikerwarnhund im Einsatz

Eine Sendung des NDR Fernsehens vom 11.01.2011, 22:30.

Montag, 10. Januar 2011

diabetes im blick - wir packen es an!

Weltdiabetestag 2010 in Berlin: Viel Information und mehr Bewegung für Menschen mit Typ 2 Diabetes


Im Zeichen umfassender Information, Aufklärung und Beratung begrüßten während des Weltdiabetestags am 14. November 2010 die Organisatoren diabetesDE und der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) im Berliner Congress Center (bcc) mehr als 5.000 Besucher. Viele Menschen mit Typ 2 Diabetes nahmen das Angebot an, sich mit Hilfe des von der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS) und Novo Nordisk gemeinsam entwickelten Risiko- und Lebensqualitäts-Checks einen Überblick über die persönliche körperliche und psychische Gesundheit zu verschaffen. Hohes Interesse herrschte auch bei der Messung des eigenen Langzeitblutzuckerwerts (HbA1c) am Stand von Novo Nordisk.

Der niedergelassene Diabetologe Dr. med. Karsten Milek vom Diabetesschulungszentrum Hohenmölsen bei Leipzig stand den Besuchern für persönliche Gespräche und Tipps im Umgang mit der Krankheit zur Verfügung. Seine Zwischenbilanz: Viele Menschen mit Typ 2 Diabetes sind trotz jahrelanger Behandlung nicht optimal eingestellt und erreichen noch immer zu hohe Langzeitblutzuckerwerte. Gehören Sie auch dazu?
Wir baten Dr. med. Karsten Milek um ein Gespräch.

Herr Dr. Milek, welche Herausforderungen erkennen Sie bei der Behandlung des Typ 2 Diabetes?Sie sehen selbst, welcher Besucherandrang hier am Weltdiabetestag in Berlin herrscht. Wir haben allein in Deutschland rund zehn Millionen Menschen mit Diabetes – das ist jeder achte Bundesbürger. Die große Herausforderung ist, bei den zunehmenden Neuerkrankungen jedem ein individuell zugeschnittenes Therapieangebot zu machen. Dabei kann jeder Mensch mit Typ 2 Diabetes für seine Krankheit sehr viel eigenverantwortlich tun.
Was können Menschen mit Typ 2 Diabetes tun, damit die Krankheit verträglich und ohne Risiken verläuft?

Ganz einfach. Eine gesunde Lebensführung. Dazu zählt viel Bewegung und eine adäquate Ernährung. Erst dann sollte die Therapiesäule Medikamente kommen und nicht umgekehrt. Im Vordergrund steht, die Einstellung zu eingefahrenen Lebensgewohnheiten zu ändern. Das heißt, jede Initiative nutzen, die Bewegung verschafft: Treppen laufen, Erledigungen zu Fuß machen. Das fördert das Therapieergebnis von ganz allein und schafft Selbstbewusstsein.

Was wird noch immer zu selten beachtet?
Viele Menschen mit Typ 2 Diabetes fixieren zu sehr auf den Zucker als gefährlichen Ernährungsbaustein. Der ist es aber gar nicht allein. Vielmehr muss das Gesamtkonzept einer gesunden Lebensweise erlernt werden. Dazu gehört ein vollständiger und ausgewogener Ernährungsplan. Hinzu kommt der Faktor Bewegung. Ohne Bewegung verbrennt der Körper zu wenig Energie und speichert den Überschuss als Fett. Aber gerade das wollen wir ja verändern. Übergewicht ist einer der großen Risikofaktoren für Begleiterkrankungen des Typ 2 Diabetes. 
Bestehen auch neue Behandlungsmöglichkeiten
des Typ 2 Diabetes?
Eine bequeme Lebensführung erreichen schon heute viele Betroffene mit dem Inkretinsystem, einer auf dem Darmhormon GLP-1 basierenden Therapie. Das Zuversichtliche daran, weniger Unterzuckerung und Gewichtszunahme tritt in der Regel nicht auf. Der Blutzucker muss nicht mehr regelmäßig gemessen werden, weil man Unterzuckerungen mit diesem neuen Behandlungsprinzip meiner Erfahrung nach viel besser im Griff hat.

Wer kann davon profitieren?
Grundsätzlich alle Menschen mit Typ 2 Diabetes, die bereits mit Tabletten behandelt werden und trotzdem nicht ihr Therapieziel erreichen, zum Beispiel die weiterhin Übergewichtigen unter ihnen. Die positiven Effekte dieser Medikamentengruppe werden hier besonders deutlich.
Was können Menschen mit Typ 2 Diabetes noch tun?Für alle, die sich mit ihrer Therapie nicht sicher fühlen oder mit den bisher erreichten Behandlungszielen unzufrieden sind, gibt es den Risiko- und Lebensqualitäts-Check. Hier können die Probleme im Umgang mit der Krankheit in einem Überblick erkannt werden. Dann kann auch gezielt an den Stellschrauben zur Bewältigung dieser Herausforderungen gearbeitet werden.

Herr Dr. Milek, vielen Dank für dieses Gespräch.


Interview, erschienen bei diabetes im blick, NovoNordisk, Dezember 2010