Dienstag, 29. November 2011

Gewicht, Ernährung, Sport: Wie man Diabetes vorbeugen kann

Das haben doch nur alte Menschen. So denken viele, vor allem junge Leute über Diabetes. Ein Trugschluss, denn der oft als „Altersdiabetes“ bekannte Typ 2 betrifft immer mehr jüngere Menschen und teilweise sogar übergewichtige Kinder. Ähnlich bei Bluthochdruck – oft als Zipperlein abgetan, werden die Folgen unterschätzt. Gravierend wird es vor allem dann, wenn beide Erkrankungen zusammen auftreten. Was also tun, um gar nicht erst an Diabetes zu erkranken? Dirk Freytag hat sich informiert:Straßenumfrage: Nö, warum? Sind davon nicht eher alte Leute betroffen? / Also, ehrlich gesagt, habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. / Ja, meine Oma, die hat schon eine ganze Weile Diabetes. Aber die ist ja auch schon 80.“

So unbekümmert sehen viel zu viele junge Menschen das Thema Diabetes und Bluthochdruck.


Dr. Karsten Milek, Facharzt für Allgemeinmedizin und Diabetologe:
„Gerade die Kombination Diabetes und Bluthochdruck, schädigt die Gefäße, schädigt die Nerven und so haben wir Herzinfarkt, Schlaganfall, die Nieren werden erkrankt, bis hin, dass man zur Dialyse vielleicht muss. Und auch die Füße werden gefährdet, dort kann es zum so genannten Diabetischen Fuß-Syndrom kommen, wo auch stellenweise dann Amputationen drohen.“

Diabetes und Bluthochdruck treten oft zusammen auf. Zur Risikogruppe gehören alle, deren nahe Verwandtschaft ebenfalls an Diabetes erkrankt ist. Schon frühzeitig kann man vorbeugen:

„Eine gesunde Lebensweise. Tägliche Bewegung, der Kampf ein wenig ums Idealgewicht. Die Ernährung vernünftig mit Ballaststoffen, fettarmer Kost, wenig Salz und vielleicht auch beim Würzen aufpassen, dort eventuell Kräuter benutzen. Natürlich auf alle Fälle auf das Rauchen verzichten, das ist sehr wichtig und wenn möglich wenig Alkohol. Man soll genießen können, aber in Maßen.“

Kein Hexenwerk, sondern ganz klassische Gesundheitstipps, nach denen eigentlich jeder leben sollte. Wer sich aufklären lassen möchte, der findet auf der Webseite www.diabetesimblick.de weitere Informationen – inklusive eines Selbstchecks, der persönliche Erkrankungs-Risiken ermittelt.


Beitrag bei getaudio.de, Diabetes im Blick vom 28.11.2011

Montag, 28. November 2011

Süßholzpflanze wird Arzneipflanze des Jahres 2012

Die Süßholzpflanze wird die Arzneipflanze des Jahres 2012. Das wurde heute in Frankfurt bekannt gegeben. Die Auswahl der Arzneipflanze des Jahres soll die Bedeutung der Arzneipflanzen für den Menschen betonen sowie auf die Gefahren einer Übernutzung aufmerksam machen. Die Auswahl trafen in diesem Jahr zum ersten Mal gemeinsam die Universität Würzburg, die Naturschutzorganisation WWF und seine Partnerorganisation TRAFFIC, das gemeinsam mit der Weltnaturschutzunion IUCN geführte Artenschutzprogramm zum Schutz von Wildarten.  

„Das Süßholz ist besonders, weil es eine umfassende Heilwirkung bei vielen Beschwerden hat“, so Johannes Mayer vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde der Uni Würzburg. „ Süßholztee hilft sehr schnell bei rauer Stimme und Hustenreiz. Schon die Ägypter und die griechischen Ärzte schätzten die Pflanze und nutzten sie unter anderem gegen Husten, Heiserkeit und Asthma. Nach Hildegard von Bingen soll Süßholz sogar „mild stimmen“, also eine positive Wirkung auf die Psyche haben. Das Glycyrrhizin hat entzündungshemmende und schleimhautschützende Wirkung. Zudem ist eine antivirale und krampflösende Wirkung belegt“.

Die Süßholzwurzel stammt von einer verholzenden Staude, die eine Höhe von bis zu einem Meter erreicht und zu den Schmetterlingsblütlern (Fabaceae) gehört. Die Pflanzengattung ist vom Mittelmeerraum bis Ostasien sowie in Amerika und Australien heimisch. Sie wird vielfach für die Arznei- und Genussmittelherstellung angebaut. Verwendet wird ausschließlich die Wurzel, die eine enorm große Anzahl an Inhaltsstoffen besitzt. Bislang sind 400 verschiedene Inhaltsstoffe beschrieben worden. Zu den wichtigen zählt das Glycyrrhizin, eine Verbindung, die nahezu die 50fache Süßkraft von Rohrzucker besitzt.
Deutschland ist in Europa die Nummer Eins unter den Nutzern und Händlern von Heilpflanzen. Allein nach Deutschland werden pro Jahr über 500t Süßholzwurzel importiert, ein großer Teil davon wird für Arzneitees verwendet. Durch die süßende Wirkung ist natürlich auch eine Verwendung in Lebensmitteltees üblich. Die Süßholzwurzel ist außerdem auch ein Hauptbestandteil der Lakritze und vieler Kräuterliköre. Bekannt als „gan cao“ ist Süßholz bis heute als Standardheilmittel ein fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). In Japan wird Süßholz außerdem in der Kosmetik eingesetzt.
„Die heilenden Eigenschaften der Süßholzpflanze machen deutlich, was für eine einzigartige Apotheke die Natur darstellt“, so Susanne Honnef, Artenschutzexpertin beim WWF Deutschland. „Immer mehr Menschen haben das in den letzten Jahren erkannt , weswegen Heilpflanzen hierzulande eine wahre Renaissance erleben. Natürlich nimmt dadurch auch der Druck auf die Pflanzen zu, weil eine Übernutzung droht.

WWF und TRAFFIC versuchen gegen diese Trends zu steuern. Eines der wichtigsten Mittel dabei der 2010 eingeführte „FairWild“- Standard, der erste internationalen Standard für die nachhaltige Wildsammlung von Medizinal- und Aromapflanzen. Er vereint strenge Regeln für eine umweltverträgliche, sozial gerechte und ökonomisch tragfähige Wildsammlung und dient sowohl als Zertifizierungsgrundlage, als auch als Basis für die Entwicklung von Gesetzen und Verordnungen.

„Der FairWild Standard bietet Unternehmen endlich einen Rahmen zur Umstellung auf eine nachhaltige Rohstoffbeschaffung. Und das FairWild Siegel soll Verbrauchern eine Orientierungshilfe beim Kauf von natürlichen Heilprodukten bieten“, so Roland Melisch, Programmdirektor von TRAFFIC. „Gleichzeitig versuchen wir, den am Handel beteiligten Ländern und Handelspartnern Alternativen aufzuzeigen und Strategien für eine nachhaltige Wildnutzung zu entwickeln, die sowohl der Natur helfen als auch den meist einkommensschwachen Sammlern in den Herkunftsländern eine Lebensgrundlage bieten“.

Pressemitteilung des WWF vom 22.11.2011

Freitag, 25. November 2011

Aus der Konserve in den Körper

Artikel lesen bei spiegel.de --> KLICK

Depressionen mit Kaffeegenuss vorbeugen?

Artikel lesen bei diabetesgate.de --> KLICK

Donnerstag, 24. November 2011

Grippeimpfungen - Sachsen-Anhalt ganz vorn

Sachsen-Anhalt hatte 2008 mit 30,6 Prozent die höchste Grippeimpfrate aller Bundesländer. Dies bestätigen Auswertungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland, die aktuell unter www.versorgungsatlas.de veröffentlicht wurden. In vielen Landkreisen der neuen Bundesländer liegen die Impfraten nahe am Impfziel der Weltgesundheitsorganisation.
Die Grippe ist eine schwere Erkrankung mit zum Teil lebensbedrohlichen Auswirkungen. Insbesondere ältere Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen sollten sich gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission jährlich zum Beginn der kalten Jahreszeit gegen Grippe impfen lassen.

Geben Sie der Grippe eine Abfuhr - lassen Sie sich impfen!

Mehr Informationen finden Sie auf dem Infoblatt der KVSA --> KLICK

Mittwoch, 23. November 2011

10. Adventskalender mit Diabetes-Quiz

Spielend lernen und gewinnen auf www.diabsite.de - DiabSite verkürzt seinen Besuchern die Zeit bis Weihnachten mit einem virtuellen Adventskalender mit Gewinngarantie und Spaßfaktor

In der Vorweihnachtszeit lädt das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite seine Besucherinnen und Besucher in diesem Jahr schon zum 10. Mal zu einem Quiz in Form eines Online-Adventskalenders ein. Jeder kann kostenlos mitmachen: Jung und Alt, Diabetiker und Nichtdiabetiker.

Der DiabSite-Adventskalender startet am 1. Dezember 2011. Jeden Tag können Besucher der Webseite www.diabsite.de ein Türchen mit einer hinterlegten Frage öffnen. Jeweils drei mögliche Antworten zu jeder der einfachen Fragen ermuntern zum Mitmachen. "Mit den oft lustigen Antwortmöglichkeiten", so DiabSite-Initiatorin und Redakteurin Helga Uphoff, "motivieren wir die Menschen, sich spielerisch mit dem Thema Diabetes zu beschäftigen." "Denn", so die Diabetikerin weiter, "mit Spaß erworbenes Wissen wird meist besser behalten. Und genau das möchten wir mit unserem Adventskalender mit Diabetes-Quiz erreichen."

Der garantierte Gewinn für jeden Teilnehmer: Diabeteswissen. Es hilft Nichtdiabetikern, die Erkrankung zu vermeiden, und Menschen mit Diabetes, ihr Leben mit der chronischen Stoffwechselkrankheit besser in den Griff zu bekommen.

Mit etwas Glück gewinnen die Teilnehmer am Adventskalender-Quiz zusätzlich einen von 24 Gutscheinen im Wert von 20 Euro für ihren Online-Einkauf bei Amazon. Und zur Weihnachtsauslosung am 25. Dezember wartet auf den Hauptgewinner sogar ein Amazon-Gutschein im Wert von 100 Euro!

Der Adventskalender vom Vorjahr bietet die Möglichkeit zum Üben und sich ein eigenes Bild von den Fragen und Antworten zu machen.

Pressemitteilung von diabsite.de vom 22.11.2011

Samstag, 19. November 2011

Nur zwei von drei Kindern und Jugendlichen frühstücken

WHO-Studienergebnisse unter Leitung der Universität Bielefeld veröffentlicht

Das Frühstück gilt als wichtigste Mahlzeit für Kinder und Jugendliche, weil es eine Basis für den Tag liefert. Internationale Studien zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen einem ausgewogenen Frühstück und Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen im Schulalltag. Aber nur zwei von drei 11- bis 15-Jährigen in Deutschland frühstücken täglich. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen Studie zum Gesundheitsverhalten von Schulkindern („Health Behaviour in School-aged Children" – HBSC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die internationale Vergleichsstudie wird im Abstand von vier Jahren in mittlerweile 40 Ländern Europas und Nordamerikas durchgeführt. Für den deutschen Studienteil ist eine Forschergruppe der Universität Bielefeld und von Hochschulen in Dresden, Frankfurt und Hamburg verantwortlich.


In Faktenblättern stellen Professorin Dr. Petra Kolip (Foto) von der Universität Bielefeld und ihr Team jetzt neue Forschungsergebnisse zum Gesundheitsverhalten von Schulkindern vor. In Faktenblättern stellen Professorin Dr. Petra Kolip (Foto) von der Universität Bielefeld und ihr Team jetzt neue Forschungsergebnisse zum Gesundheitsverhalten von Schulkindern vor.

Wie die neue HBSC-Studie zeigt, steigt der Anteil derjenigen, die morgens das Frühstück auslassen, mit dem Alter: Bei den 15-Jährigen in Deutschland verzichtet jeder zweite darauf. Dabei findet sich ein deutlicher Einfluss der sozialen Lage: Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen gehen häufiger ohne Frühstück aus dem Haus.

Dass so viele Jugendliche auf das Frühstück verzichten, könnte, so die Forscher, mit dem Wunsch verbunden sein, das Gewicht zu reduzieren: Laut der Studie findet sich jedes zweite Mädchen und jeder dritte Junge zu dick, und jedes sechste Mädchen und jeder zehnte Junge machen aktuell eine Diät.

Für die jüngste Erhebungswelle der Studie wurden im Schuljahr 2009/10 über 20.000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren an fast 300 Schulen bundesweit befragt. Grundlage war ein standardisierter Fragebogen, mit dem erfragt wurde, wie die Schüler selbst ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und ihre Lebensqualität einschätzen. Erhoben wurden auch das gesundheitsrelevante Verhalten und soziale Einflussfaktoren auf die Gesundheit wie Schulklima, familiärer Wohlstand sowie die Beziehung zu Eltern und Freunden.

In Deutschland wurde die HBSC-Studie bereits zum fünften Mal durchgeführt. Koordiniert wurde sie von dem Bielefelder WHO Collaborating Centre for Child and Adolescent Health Promotion (WHO Kollaborationszentrum zur Kinder- und Jugendgesundheitsförderung) unter Leitung von Professorin Dr. Petra Kolip von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. „Die Studie bietet die einmalige Chance, die sozialen Einflussfaktoren auf die Gesundheit zu analysieren“, sagt Petra Kolip. „Für viele Bereiche zeigt sich noch immer der Einfluss des familialen Wohlstands als Indikator für die soziale Lage: Kinder und Jugendliche aus Geringverdiener-Familien bewegen sich weniger, essen seltener Obst und geben häufiger einen schlechteren Gesundheitszustand an. Dies ist relevant, wenn wir zielgruppengerechte Präventionsmaßnahmen entwickeln wollen.“

Die Ergebnisse der Studie sollen für die Gesundheitsförderung und Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung genutzt werden. So wurden Faktenblätter für Eltern und Lehrer entwickelt, die auf der Homepage des deutschen HBSC-Teams abgerufen werden:
www.hbsc-germany.de/downloads/. Die ersten Ausgaben widmen sich unter anderem den Themen Häufigkeit des Frühstücks, Körperbild und Diätverhalten, Sexualität und Verhütungsverhalten, Nutzung von Computer und Spielkonsole sowie sportliche Aktivität.

Die Durchführung der HBSC-Studie gehört zu den Hauptaufgaben des WHO Collaborating Centre an der Universität Bielefeld. Außerdem unterstützt es internationale Publikationen aus den HBSC-Ergebnissen, etwa den International Report, der Anfang 2012 erscheinen wird. Das WHO-Centre ist Teil des Forschungsschwerpunktes „Menschliche Entwicklung, Konflikt und Gewalt“ der Universität Bielefeld, in dem Forschung auf internationalem Spitzenniveau betrieben wird. Hier befassen sich Forscher interdisziplinär mit den komplexen Vorgängen menschlicher Entwicklung – von der Entwicklung des Kindes bis hin zu sozialen Zusammenhängen und Institutionen, die menschliches Dasein in verschiedenen Gesellschaften und Komplexen prägen.

Weitere Informationen im Internet:
www.hbsc-germany.de

Kontakt:
Prof. Dr. Petra Kolip, Universität Bielefeld
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Telefon: 0521 106-67273
E-Mail: petra.kolip@uni-bielefeld.de

Kategorie: Forschung & Wissenschaft
Pressemeldung der Universität Bielefeld, veröffentlicht am 14.11.2011

Freitag, 11. November 2011

Mein Baby hat Diabetes!

Myron soll eine unbeschwerte Kindheit erleben – trotz Messen und Spritzen / Engagiert kämpft seine Mutter dafür, dass er den Diabetes als „Freund“ akzeptiert

Leverkusen, 3. November 2011 – Nie wird Ilona Stucke den Satz vergessen, der ihr Leben so plötzlich veränderte. Sie hatte den Notarzt alarmiert, weil mit ihrem Sohn Myron etwas nicht stimmte: Der Kleine ist apathisch, nicht bei sich. Immer häufiger leidet er in letzter Zeit an Infektionen, seine Haut ist an mehreren Stellen entzündet. Oft weint er, hat Durst, ist schlapp und lethargisch. Noch im Krankenhaus, während Myron untersucht wird, hofft Ilona Stucke, dass ihr Sohn bald wieder gesund sein wird. Doch die Diagnose ist eindeutig. Myrons Körper kann den Blutzucker nicht mehr selbstständig regulieren, die Insulin produzierenden Zellen haben ihre Funktion eingestellt. „Ihr Sohn hat Diabetes Typ-1“, sagt die Ärztin. Myron ist gerade 2 Jahre alt.

Gespräche und Schulungen vertreiben Angst und Schuldgefühle

Ilona Stucke kann es nicht glauben. Diabetes – ist das nicht eine Krankheit, an der nur alte und übergewichtige Menschen erkranken? Sie erinnert sich an ihre Physiotherapeuten-Ausbildung und die Vorlesungen zur Kinderheilkunde. Damals erfuhr Ilona Stucke, dass es neben dem weit verbreiteten „Altersdiabetes“ auch den „Typ-1-Diabetes“ gibt, an dem selbst Babys und Kleinkinder erkranken können. Aber doch nicht Myron!

Nachdem die Ärzte die Blutzuckerwerte des Kindes mit Kochsalzlösung und Insulin gesenkt haben, fängt der Kleine wieder an zu lachen und erholt sich zusehends. Doch Ilona Stucke realisiert, dass sich ihr Sohn fortan lebenslang Insulin zuführen muss, ohne die täglichen Injektionen nicht überleben kann. Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern hat Angst – vor einer Krankheit, die ohne erkennbaren Grund gekommen ist und nie mehr verschwinden wird. Zwei Wochen bleibt Myron zur Beobachtung in der Klinik – 14 Tage, an denen Ilona Stucke intensiv geschult wird. Und sie hat Glück im Unglück. Denn die Klinik stellt der Mutter eine Diabetesberaterin zur Seite. Elke Bettecken kümmert sich um Myrons Körper, aber auch um die Seele von Ilona Stucke. Sie beruhigt, erklärt, beantwortet Fragen. „Wenn ein Kind erkrankt, sind es natürlich die Eltern, die die Verantwortung für die Behandlung des Diabetes übernehmen müssen“, erklärt Elke Bettecken. Und Ilona Stucke möchte alles wissen: Sie lernt Blutzucker zu messen, Insulin- und Kohlenhydrateinheiten zu berechnen, den Insulin-Pen zu bedienen und wie sich Unterzuckerungen vermeiden lassen. Neben den reinen Fakten sind es die Gespräche mit Elke Bettecken, die ihr Kraft geben und ihr eine wichtige Sorge nehmen: „Ich hatte Angst, etwas falsch gemacht zu haben. Als ich verstand, dass ich keine Schuld an Myrons Diabetes trage, war das sehr erleichternd für mich.“


Eine neue Rolle: Mutter und Diabetes-Managerin in einem

Als Ilona Stucke nach der zweiwöchigen Schulung mit ihrem Sohn nach Hause zurückkehrt, ist sie hoch motiviert und zuversichtlich. In der Klinik hat sie nicht nur gelernt, wie sie mit Myrons Diabetes umgehen, sondern auch, wie sie in kritischen Momenten reagieren kann. Doch nach ein paar Tagen erkrankt der Kleine plötzlich an einer Magen-Darm-Infektion. Nichts von dem, was die Mutter in der Klinik gelernt hat, kann sie anwenden. „Ich war völlig verunsichert“, so Ilona Stucke. „Durch die Infektion ließ sich der Blutzucker schlecht einstellen und Myron behielt die Nahrung nicht lang genug bei sich.“ Wieder ist Elke Bettecken für sie da. Sie kommt zur Familie nach Hause, analysiert die Blutzuckerwerte und flößt dem Kleinen Traubenzucker ein. Nachts bespricht sie per Telefon die notwendigen Schritte. Sie hat jederzeit ein offenes Ohr für die Sorgen und die anfängliche Verunsicherung der Mutter.

Eine unbeschwerte Kindheit; trotz Messen und Spritzen

Mittlerweile, gut 6 Monate später, ist Myrons Erkrankung ein Stück Normalität im Alltag der Familie Stucke geworden. Ca. sechs Mal täglich kommt das „kleine Bienchen“ – so nennt der knapp Vierjährige das Blutzuckermessen. Den kleinen Pieks in den Finger erträgt der Junge ohne Murren. Myron beteiligt sich inzwischen sogar an der täglichen Routine und steckt selbst die Teststreifen in das Blutzuckermessgerät Contour® USB. Seine Mutter führt den Teststreifen an den winzigen Blutstropfen und schon wenige Sekunden später hat sie Gewissheit, ob die Blutzuckerwerte ihres Sohnes im Normbereich liegen. Weil das Gerät die Werte automatisch speichert, muss Ilona Stucke sie nicht direkt in ein Blutzuckertagebuch eintragen – für die vierfache Mutter eine große Erleichterung! Unmittelbar vor oder nach jeder Hauptmahlzeit injiziert Ilona Stucke ihrem Sohn Insulin. Die 38-Jährige erinnert sich gut an das erste Spritzen: „Ich dachte nur: Sei tapfer! Da musst du jetzt durch für deinen Sohn!“

Ilona Stucke möchte, dass Myron auch mit Diabetes eine unbeschwerte Kindheit hat. Doch viele Faktoren nehmen Einfluss auf den Stoffwechsel ihres Sohnes: Infektionen, die im Kindesalter häufig auftreten, sein wachsender Bewegungsdrang und der Wunsch, auch mal naschen zu dürfen. Manchmal muss sie Myron beim Spielen stören oder ihn nachts wecken, um seinen Blutzucker zu messen. Alle drei Monate wird Myron in der Diabetesambulanz untersucht, sein Langzeitwert ermittelt. All das macht das Leben für Myron nicht immer einfach. Aber die ersten Hürden im Umgang mit dem Diabetes hat er dank der Unterstützung seiner engagierten Mutter gemeistert. Ilona Stucke ist sich sicher: Es wird für sie nicht immer einfach sein, ihrem Kind mit zunehmendem Alter mehr Verantwortung für sein eigenes Wohlergehen zu übertragen. Aber sie will Myron die Möglichkeit geben, selbständig zu werden und den Diabetes als „Freund“ zu akzeptieren.

Quelle: Pressemeldung bayervital.de vom 3.11.2011

Dienstag, 8. November 2011

Epigenetische Veränderungen signalisieren frühzeitig Diabetes-Risiko

Ein internationales Forschungskonsortium hat jetzt nachgewiesen, dass der Entwicklung dieser Autoimmunerkrankung epigenetische Veränderungen vorausgehen, in diesem Fall chemische Abänderungen an den Grundbausteinen der Erbsubstanz einer Zelle.

„Deutliche Konsequenzen für Prävention und Therapie dieser Erkrankung“ erwartet deshalb der Endokrinologe Professor Bernhard Böhm von der Universität Ulm, gemeinsam mit Wissenschaftlern der Queen Mary University London und des University College London verantwortlich für die Arbeit, die dieser Tage in der angesehenen Fachzeitschrift PLoS Genetics publiziert worden ist. Demnach steht fest, dass das sogenannte Methylierungsmuster der Erbsubstanz bestimmter Blutzellen bereits in der prädiabetischen Phase auf eine krankheitsspezifische Art und Weise verändert ist, also vor dem eigentlichen Ausbruch der Erkrankung. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgt die Veränderung bereits im Mutterleib“, sagt Böhm, der diese Frage jetzt in Zusammenarbeit mit schwedischen Kollegen weiter untersuchen will. „Klar ist aber, dass die Krankheit sehr lange zurückliegende Wurzeln hat.“

Folglich müsste auch die Prävention in einer frühen Lebensphase ansetzen. Mit nicht unerheblichen Auswirkungen auf den Klinikbetrieb, so der renommierte Diabetes-Experte: „Zuständig wären dann nicht mehr Endokrinologen oder Kinderheilkundler, sondern bereits die Frauenheilkunde, idealerweise in einem interdisziplinären Team.“ Ein Bedarf an systematischer präventiver Erfassung jedenfalls sei vorhanden bei der stetig wachsenden Zahl an Patienten. Interesse daran signalisiert hat Professor Böhm zufolge allerdings bislang nur Schweden, wo chronische Erkrankungen mit epigenetischem Hintergrund noch häufiger auftreten als in Mitteleuropa.

Unabhängig davon liegen für den Ulmer Wissenschaftler die nächsten Schritte auf der Hand: „Wir haben jetzt krankheitsspezifische Muster erkannt und wissen genau, was in den Zellen passiert. In unserem Fall heißt das: Ist ein bestimmtes Methylierungsmuster vorhanden, folgt in 10 bis 15 Jahren der Diabetes.“ Nun müssten die Muster für weitere Stoffwechselstörungen definiert und deren Therapie entwickelt werden. Indes: „Die Methylierungsmuster selbst sind kaum zu modifizieren, wenn sie mal geschaffen sind.“

Nicht weniger als zehn Jahre haben die beteiligten Forscher übrigens für diese Erkenntnis gearbeitet, finanziell gefördert von einer Forschungsorganisation aus den USA. „Und deren Bedeutung ist deshalb so groß, weil damit ein generelles Prinzip verbunden ist“, erklärt Bernhard Böhm nicht ohne Stolz, zudem mit einer gewissen Genugtuung. „20 Jahre lang haben wir in großem Umfang Biomaterialien gesammelt, Blutzellen vor allem, waren dabei unter den Vorreitern im Diabetesfeld weltweit, sind jedoch dafür im Kollegenkreis häufig belächelt worden“, erinnert sich der Wissenschaftler. Heute sei die in Ulm angesiedelte Biodatenbank eine wichtige Grundlage für verschiedene Forschungsansätze.

Auch für das nächste Projekt, an dem der Ulmer Endokrinologe beteiligt ist: „Blueprint“, der renommierten Fachzeitschrift Nature zufolge eines der bisher größten biomedizinischen Forschungsvorhaben der EU, soll unter anderem das Verständnis von Gen-Umweltinteraktionen als Ursache chronischer Erkrankungen verbessern. Mit 30 Millionen Euro auf sieben Jahre fördert die EU das Projekt, das in der vergangenen Woche mit einem ersten Treffen in Amsterdam gestartet worden ist. Weitere zehn Millionen steuern die beteiligten 41 Forschungseinrichtungen in zahlreichen Ländern bei. Insgesamt 50 federführende Wissenschaftler mit ihren Gruppen werden sich in diesem Zusammenhang mit epigenetischen Veränderungen beschäftigen und eine Landkarte der Epigenetik erarbeiten.

„Durch Fehlernährung zum Beispiel“, so Böhm, „abhängig vom jeweiligen genetischen Grundmuster natürlich ein wichtiger Faktor, sowohl bei Nahrungsmangel als auch bei Überernährung“.  Der Ulmer Part bei dem Großprojekt entfällt denn auch auf Autoimmunerkrankungen, also Stoffwechselstörungen im weitesten Sinne. Professor Bernhard Böhm selbst zeichnet gemeinsam mit seinen Londoner Kollegen, den Professoren David Leslie und dem aus dem Schwarzwald stammenden Stephan Beck verantwortlich für die Studien zum Thema Diabetes mellitus.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Bernhard Böhm, Tel. 0731/500-44507


Quelle: idw-online.de