Dienstag, 28. Februar 2012

Durchbruch in der Diabetes Forschung / Hoffnung für Diabetiker

Forschern des Biotech-Unternehmens Med Cell Europe AG in Münchwilen (Schweiz) ist es gelungen, menschliche, erwachsene Stammzellen aus körpereigenem Fettgewebe in Insulinproduzierende Zellen umzuwandeln. Dr. Steven Kellner, Forschungsleiter der Med Cell
Europe, ist überzeugt, dass in wenigen Jahren die tägliche Insulininjektion auf Grund der
Transplantation dieser Stammzellen nicht mehr notwendig sein wird.

Diabetes Mellitus
Diabetes Mellitus ist eine chronische Störung des Blutzuckerstoffwechsels, gekennzeichnet
durch eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Das Hormon Insulin bewirkt als einziger
wirkungsvoller Stoff im menschlichen Körper die Normalisierung des Blutzuckers (welches in
der Bauchspeicheldrüse (Beta-Zellen) gebildet wird). Insulin vermittelt die Zuckeraufnahme
in die Körperzellen zur Energiegewinnung sowie die Speicherung in Form von Glykogen in
der Leber und den Muskelzellen. Dem Diabetes Mellitus liegt entweder eine gestörte
Insulinproduktion/-freisetzung oder eine Störung der Insulinwirkung bzw. eine Kombination
beider Mechanismen zu Grunde. Die tägliche Injektion von Insulin bei Diabetikern mit
absolutem Insulinmangel ist aktuell die einzige Therapiemöglichkeit.

Hoffnungsträger Stammzellen
Adulte Stammzellen sind die Reservezellen unseres Körpers und zuständig für den Ersatz
von überalterten oder geschädigten Zellen verschiedenster Organe und Gewebe. Früher
wurden adulte Stammzellen aus Knochenmark und Nabelschnurblut gewonnen, doch vor
einigen Jahren hat man festgestellt, dass unser Fettgewebe ein ergiebiger Speicherort von
erwachsenen Stammzellen ist, welche sich bei Bedarf in Knorpel, Knochen, Sehnen,
Bändern, Muskeln, Nerven und in viele andere Zellarten umwandeln lassen. Verschiedene
wissenschaftliche Studien belegen, dass adulte Stammzellen bereits für die Behandlung von
Folgeschäden des Diabetes Mellitus wie Netzhauterkrankungen, Hautwunden,
Herzschwäche, Nieren- und Nervenerkrankungen erfolgreich eingesetzt werden konnten.
Wissenschaftler aus der ganzen Welt sind sich einig, dass Stammzellen der
Schlüsselfaktor in der regenerativen Medizin sind.

Gesundheitsvorsorge – Stammzellenbank
Da unsere Stammzellen mit dem Körper altern, hat sich Med Cell Europe auf die Isolation
und Einlagerung von adulten Stammzellen für spätere und heutige Anwendung bei
Krankheiten wie z.B. Osteoarthritis, Herzinfarkt und Schlaganfall spezialisiert. Mit der
erfolgreichen Umwandlung von Stammzellen in Insulin-produzierende Zellen hat Med Cell
Europe einen weiteren Meilenstein erreicht, nämlich der Ersatz der (nicht mehr
„funktionierenden“) Betazellen der Bauchspeicheldrüse mittels einer Eigentransplantation
von Insulin-produzierenden Zellen. So sensationell dieser Erfolg auch ist, warnt Dr. Miriam
Reif, die zuständige medizinische Leiterin der Med Cell Europe, dass noch einige Fragen zu
klären sind, bis erste Anwendungen vorgenommen werden können. Insbesondere bezüglich
des idealen Orts der Applikation ist noch weitere Forschungsarbeit erforderlich. Die
Wissenschaftler von Med Cell Europe sind der Meinung, dass ein Transplantat von Insulin-produzierenden Zellen aber nicht zwingend im Bereich der Bauchspeicheldrüse notwendig
sein wird.

Pressemittelung von Med Cell Europ, erschienen im Februar 2012

diabetestour in Halle an der Saale am 31.03.

Ende März kommt die diabetestour zum ersten Mal nach Sachsen-Anhalt.

Die Besucher erwartet in der Messe ein informatives und abwechslungsreiches Programm mit zahlreichen Vorträgen, Workshops, Unterhaltungsprogramm und Aktionen zum Mitmachen. Es gibt die besten Tipps, wie Folgeerkrankungen (z. B. Erblindung, Amputationen, Nierenversagen) verhindert werden können. Experten geben Auskunft zu Führerschein, Schwerbehindertenausweis und Versicherungen. Außerdem steht die richtige Ernährung im Mittelpunkt. Neben den Vorträgen gibt es auch ganz handfeste Tipps bei den Kochshows mit Hans Lauber und Uwe Steiniger.

Mit im Programm sind außerdem: Gewichtheber und Olympiasieger Matthias Steiner, Diabetiker-Hunde, die Unterzuckerungen wahrnehmen können, und für Unterhaltung sorgt das Galli-Theater. Für Kinder gibt es den ganzen Tag eine professionelle Betreuung.Während der Veranstaltung stehen in der Industrieausstellung Ansprechpartner vieler Herstellerfirmen bereit, um über die neuesten Produkte für Diabetiker zu informieren.

Der Ballungsraum Halle-Leipzig scheint geradezu ideal für das erste Gastspiel der
„diabetestour“ in Ostdeutschland – bundesländerübergreifend, zwei aktive DDB-Landesverbände und jede Menge Experten:
Dr. med. Carola Zemlin (Wanzleben) war schon Fuß-Expertin, da konnten andere noch
nicht auf eigenen Füßen stehen. Dr. H. C. Treichel (Genthin) hat den nötigen Humor für
ein ernstes Thema wie Erektionsstörungen. Prof. Dr. Peter E. H. Schwarz (Dresden) ist
international anerkannter Vorsorge-Experte, und Dr. Karsten Milek (Hohenmölsen) weiß
alles über Diabetes im Alter und bei den Kids!


Die Eckdaten zur diabetestour am 31.03.2012 in Halle an der Saale (Messe):
* Öffnungszeit: 9:00 bis 16:00 Uhr
* Eintritt: 3.- €, Familienkarte 8,- € (Eintritt frei für Mitglieder des Deutschen Diabetiker
Bundes, Abonnenten der Zeitschriften Diabetes-Journal und Der Nierenpatient)


Programm zum Download

Freitag, 24. Februar 2012

Rheuma ist fürs Herz so gefährlich wie Diabetes

Artikel von Wiebke Kathmann, erschinen in der aerztezeitung.de am 24.02.2012, lesen --> LINK

Fragebogen zum Download: KLICK

Donnerstag, 23. Februar 2012

Glucosamin in Nahrungsergänzungsmitteln: Riskant auch für Patienten, die Cumarin-Antikoagulanzien einnehmen

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bestätigt Risikobewertung des BfR
Nahrungsergänzungsmittel mit dem Inhaltsstoff Glucosamin werden in Deutschland und in der Europäischen Union mit verschiedenen gesundheitsbezogenen Angaben („Health Claims“) vertrieben. So sollen die Produkte nach Angaben der Hersteller beispielsweise zur Erhaltung der Beweglichkeit der Gelenke beitragen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat darauf hingewiesen, dass diese Produkte für Personen, die Cumarin-Antikoagulanzien zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen müssen, gesundheitliche Risiken bergen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat diese Einschätzung des BfR nun bestätigt. „Glucosamin-haltige Nahrungsergänzungsmittel bergen auch für Patienten, die Cumarin-Antikoagulanzien einnehmen, ein Gesundheitsrisiko“, sagt der Präsident des BfR, Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Glucosamin kann die blutgerinnungshemmende Wirkung der Medikamente verstärken und zu Blutungen führen.“

Glucosamin ist ein Aminozucker, der als Arzneimittel bei Arthrosen im Knie verwendet wird. In Mengen, die unterhalb der pharmakologischen Wirkung liegen, wird Glucosamin zudem in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt; Nahrungsergänzungsmittel gelten rechtlich als Lebensmittel. Bereits in den Jahren 2007 und 2010 hatte das BfR auf das gesundheitliche Risiko hingewiesen, das mit Glucosamin-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln verbunden ist. In seinen Stellungnahmen hatte das BfR Patienten, die Cumarin-Antikoagulanzien zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen als Risikogruppe benannt.
Die EFSA hat sich erneut mit dem Risiko von Glucosamin als Lebensmittelinhaltsstoff beschäftigt und vor kurzem die Einschätzung des BfR bestätigt: Die Behörde gelangte. übereinstimmend mit der Bewertung des BfR, zu der Schlussfolgerung, dass Belege für das Risiko von Wechselwirkungen zwischen Glucosamin und Cumarin-Antikoagulanzien vorliegen. Glucosamin kann zu einer Verstärkung der blutgerinnungshemmenden Wirkung der Medikamente führen, d.h. diese kann unversehens stärker als erwartet ausfallen. Eine mögliche Folge ist das Auftreten von Blutungen. In den meisten der berichteten Fälle handelte es sich um symptomlose Laborwertveränderungen. In einigen Fällen traten jedoch Blutungen in verschiedenen Organen auf, in einem Fall mit der Folge einer schweren Hirnblutung.

Die EFSA hatte sich zudem in den vergangenen Jahren mit den Wirksamkeitsbehauptungen von Glucosamin nach der sogenannten Health-Claims-Verordnung der EU beschäftigt. In den bisher veröffentlichten Gutachten zu mehreren eingereichten gesundheitsbezogenen Angaben für Glucosamin als Lebensmittelinhaltsstoff hat die Behörde festgestellt, dass keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit im Hinblick auf die gesunde Allgemeinbevölkerung vorgelegt wurden. Mit irreführenden Angaben dürfen Lebensmittel nach den deutschen und europäischen Rechtsvorschriften nicht vertrieben werden.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Pressemittelung Bundesinstitut für Risikobewertungvom 23.02.2012

Aktuelle Umfrageergebnisse bestätigen: Diabetes-Aufklärung muss weitergehen

Frankfurt, 23. Februar 2012 – Diabetes ist eine Volkskrankheit und wird vererbt, das wissen die meisten Deutschen. Umfrageergebnisse zeigen allerdings, dass die breite Bevölkerung weder die Risikofaktoren der Erkrankung kennt, noch weiß, dass durch einen gesunden Lebensstil vorgebeugt werden kann. Die Umfragen der bundesweiten Aktion „Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7“ bestätigen erneut, wie wichtig eine Aufklärung über Diabetes ist, um der Verbreitung der Erkrankung entgegenzutreten und das Leben der Menschen mit Diabetes zu verbessern. Die Daten stammen aus Viernheim und Saarbrücken, zwei Städten, in denen die von Sanofi initiierte Aktion „Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7“ letztes Jahr Station machte.

Gesunder Lebensstil reduziert Diabetesrisiko
Weltweit erkranken immer mehr Menschen an Diabetes. Deutschland nimmt bei den Neuerkrankungen den traurigen ersten Platz in Europa ein. Allein die genetische Veranlagung verursacht dabei keinen Diabetes. Vielmehr gehören Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel zu den wichtigsten Risikofaktoren. Umso alarmierender ist, dass nicht einmal die Hälfte der Befragten wusste, dass Diabetes durch einen ungesunden Lebensstil entstehen kann (Saarbrücken: 44 Prozent; Viernheim: 50 Prozent). Nur knapp jeder Dritte nannte Übergewicht als Risikofaktor (Saarbrücken: 35 Prozent; Viernheim: 23 Prozent). 15 Prozent gingen sogar davon aus, dass Sport bei der Vorbeugung eines Diabetes nicht helfen könne. Zudem bewegten sich die befragten Diabetiker zu wenig: Jeder Dritte treibt nicht regelmäßig Sport. Das Wissen um Risikofaktoren und die Bedeutung einer gesunden Lebensführung kann helfen, Diabetesfälle zu vermeiden und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Richtige Ernährung und regelmäßige Bewegung wirken sich auf den Stoffwechsel aus und senken das Risiko, an Diabetes zu erkranken.Langzeitblutzuckerwert unter sieben Prozent schützt vor Folgeschäden
Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c wird zur Einschätzung des langfristigen Risikos für Folgeerkrankungen herangezogen. Liegt der Wert dauerhaft über sieben Prozent, ist das Risiko für Folgeschäden wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Erblindung hoch. 70 Prozent aller Befragten in Viernheim (Saarbrücken: 43 Prozent) wussten nicht, warum der Langzeitblutzuckerwert HbA1c wichtig ist. 79 Prozent kannten nicht den Bereich, in dem der Wert liegen sollte (Saarbrücken: 54 Prozent). Diabetiker sollten ihren Langzeitblutzuckerwert HbA1c im Blick haben und dessen Bedeutung kennen. Die Realität sieht allerdings anders aus: 22 Prozent der Diabetiker in Viernheim (Saarbrücken: 8 Prozent) war die Wichtigkeit des Wertes nicht bekannt, 33 Prozent wussten nicht, wie hoch er sein darf (Saarbrücken: 5 Prozent). Bei Werten, die trotz Lebensstiländerung mit gesunder Ernährung und mehr Bewegung dauerhaft über sieben Prozent liegen, sollte die Therapie angepasst werden. Nur so kann das Risiko für Folgeerkrankungen reduziert werden.

Pressemitteilung von sanofi, erschienen am 23.02.2012

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Dienstag, 14. Februar 2012

Präventionsstrategien und Immuntherapien gegen Typ-1-Diabetes

Antikörper gegen Insulin produzierende Betazellen entwickeln sich besonders im frühen Kindesalter

Neun Monate bis zwei Jahre – in diesem Alter treten am häufigsten Antikörper gegen die Insulin produzierenden Betazellen auf. Kinder, die in diesem frühen Alter Antikörper entwickeln, haben wiederum ein sehr hohes Risiko bis zum zehnten Lebensjahr an Typ-1-Diabetes zu erkranken. Diesen konkreten Zusammenhang zwischen Inzidenz der sogenannten Inselautoimmunität und dem Lebensalter konnten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München erstmals herstellen.


Das Ergebnis zeigt Ansatzpunkte um möglichst frühe Präventionsstrategien und Immuntherapien gegen Typ-1-Diabetes zu entwickeln (Online ahead of print, Diabetologia).
Der Entwicklung von Typ-1-Diabetes, einer der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, geht eine Phase der Inselautoimmunität voraus. Prof. Anette-G. Ziegler vom Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München und ihren Kollegen der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München ist es gelungen, einen konkreten Zeitraum einzugrenzen: Zwischen neun Monaten und zwei Jahren treten am häufigsten Antikörper auf.

"Neu ist auch die Erkenntnis, dass in den ersten sechs Lebensmonaten fast keine Antikörper nachgewiesen werden konnten", erklärt Ziegler. Antikörper bilden sich gegen bestimmte Bestandteile der Insulin produzierenden Betazellen im Pankreas – und greifen diese an.
"Diese Ergebnisse machen deutlich, dass Präventionsstrategien und Immuntherapien insbesondere für das frühe Kindesalter entwickelt werden müssen", sagt Ziegler. Damit, so hoffen die Forscher, ließe sich der drastisch steigenden Zahl an Typ-1-Diabetes-Erkrankungen entgegen wirken.

Original-Publikation: Ziegler, AG et al. (2012), Age-related islet autoantibody incidence in offspring of patients with type 1 diabetes, Diabetologia, Epub ahead of print.

Pressemitteilung Helmholtz Zentrum München vom 14.02.2012
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Fischöl in der Schwangerschaft schützt nicht vor Übergewicht

Wird das Gewicht des Nachwuchses bereits im Mutterleib festgelegt? Bisher ging man davon aus, dass die Aufnahme „schlechter“ Fette in der Schwangerschaft die Bildung kindlicher Fettzellen erhöht, dass „gute“ Omega-3-Fettsäuren hingegen vor Über-gewicht schützen. Eine Interventionsstudie an der Technischen Universität München konnte eine solche fötale Programmierung aber nicht bestätigen: Werdende Mütter nahmen während Schwangerschaft und Stillzeit mit Fischölkapseln und Fischmahl-zeiten gezielt mehr Omega-3-Fettsäuren zu sich. Ein Effekt auf das Fettgewebe der Kleinen ließ sich nicht feststellen: Im Alter von zwölf Monaten sind sie genauso rund oder schlank wie die Kinder der Kontrollgruppe.

Übergewicht und Adipositas – schon die Jüngsten leiden an diesen Zivilisationskrankheiten. 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen sind laut Robert-Koch-Institut übergewichtig. Mit fatalen Folgen: Fettleibigkeit im Kindesalter ist eine Ursache von Typ-2-Diabetes und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Ernährungsmediziner sind deshalb auf der Suche nach wirksamen Präventionsmaßnahmen. „Die Vorbeugung von Übergewicht und Adipositas sollte so früh wie möglich erfolgen“, sagt Prof. Hauner, Leiter des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der TU München.


Die Forschungsarbeit von Prof. Hauner setzt deshalb bereits im Mutterleib an: In der INFAT-Studie untersuchen Hauner und seine Kollegen im Rahmen des Kompetenznetzes Adipositas, wie sich die Zusammensetzung der Fettsäuren in der mütterlichen Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit auf den Nachwuchs auswirkt. Im Fokus steht dabei das Verhältnis zwischen Omega-6-Fettsäuren, die in Fleisch und Wurstwaren vorkommen, und Omega-3-Fettsäuren, die besonders in fetten Meeresfischen enthalten sind. Ein erhöhter Anteil an Omega-3-Fettsäuren in der mütterlichen Ernährung gilt als vielversprechend für die Vorbeugung von Adipositas: Zellbiologische Versuche und Untersuchungen an Mäusen haben gezeigt, dass die Arachidonsäure – eine Omega-6-Fettsäure – zu einem verstärkten Wachstum von Fettzellen führt. Im Gegensatz dazu ergaben die Experimente für Omega-3-Fettsäuren eher eine bremsende Wirkung auf die Fettgewebsentwicklung des Mäusenachwuchses.


Die Ergebnisse der INFAT-Studie stellen die Wirksamkeit einer solchen Prägung im Mutterleib, also der fötalen Programmierung auf „schlank“, nun in Frage. Die Wissenschaftler um Prof. Hauner haben 208 werdende Mütter seit Beginn der Schwangerschaft kontinuierlich begleitet und untersucht. Eine Gruppe der Frauen nahm in der Schwangerschaft und Stillzeit durch die Einnahme von Fischölkapseln und den Verzehr von mehr Fisch- und weniger Fleischmahlzeiten gezielt mehr Omega-3-Fettsäuren zu sich. Die Kontrollgruppe hingegen behielt ihre üblichen Ernährungsgewohnheiten bei und verzichtete auf die Fischölkapseln. In jeder Gruppe wurde das Fettgewebe der Kleinkinder durch die regelmäßige Messung von Hautfalten bis zum zwölften Lebensmonat erfasst. Auch per Ultraschall wurde die Dicke der Fettschicht am oberen Bauch der Kleinkinder bestimmt, zum ersten Mal bei so jungen Kindern. Das Ergebnis: Zwischen beiden Gruppen ließ sich kein Unterschied in der Fettgewebsentwicklung feststellen. Von einer fötalen Programmierung kann in diesem Fall nicht die Rede sein. Eine Prävention von kindlichem Übergewicht durch die Einnahme von Fischöl-Präparaten in der Schwangerschaft konnte somit in der INFAT-Studie nicht nachgewiesen werden.


Eine höhere Intelligenz, der Schutz vor Allergien oder eben vor Übergewicht? „Vieles, was Nahrungsergänzungsmittel versprechen, muss kritisch hinterfragt werden“, stellt Prof. Hauner fest. „Die Entwicklung im Mutterleib ist ein komplexer Prozess und lässt sich nicht auf einen einfachen Zusammenhang zwischen Nährstoffzufuhr und Fettgewebsentwicklung reduzieren. Zudem kommen zum Beispiel im Kindergarten und in der Schule weitere Umweltfaktoren hinzu, die sich auf das Körpergewicht auswirken“, sagt Prof. Hauner. Die Kinder werden deshalb im Rahmen der INFAT-Studie bis zu ihrem fünften Lebensjahr in regelmäßigen Abständen untersucht. Auch weitere Annahmen über die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren sollen noch geprüft werden, beispielsweise der mögliche Schutz vor Asthma oder Neurodermitis. Mit der INFAT-Studie stehen dafür zum ersten Mal umfangreiche Daten aus einer prospektiven Interventionsstudie zur Verfügung.


Die INFAT-Studie (The Impact of Nutritional Fatty Acids during Pregnancy and Lactation on Early Human Adipose Tissue Development) wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (Kompetenznetz Adipositas), die Europäische Union (EARNEST-Konsortium), das Danone-Forschungszentrum, die Else Kröner-Fresenius-Stiftung sowie die Unilever Foundation.


Veröffentlichung:
Hauner H, Much D, Vollhardt C, Brunner S, Schmid D, Sedlmeier EM, Heimberg E, Schuster T, Zimmermann A, Schneider KTM, Bader BL, Amann-Gassner U. Effect of reducing the n-6/n-3 long-chain polyunsaturated fatty acid (LCPUFA) ratio during pregnancy and lactation on infant adipose tissue growth within the first year of life (INFAT-study): an open-label, randomized, controlled trial. The American Journal of Clinical Nutrition, DOI: 10.3945/​ajcn.111.022590, online publiziert am 28. 12. 2011
http://www.ajcn.org/content/early/2011/12/26/ajcn.111.022590.abstract

INFAT-Studie:
Hauner H, Vollhardt C, Schneider KTM, Zimmermann A, Schuster T, Amann-Gassner U. The impact of nutritional fatty acids during pregnancy and lactation on early human adipose tissue development. Rationale and design of the INFAT study. Annals of Nutrition and Metabolism, 2009; 54(2):97–103, DOI: 10.1159/000209267
http://content.karger.com/ProdukteDB/produkte.asp?doi=10.1159/000209267

Kontakt:
Technische Universität München

Lehrstuhl für Ernährungsmedizin
Klinikum rechts der Isar
Prof. Hans Hauner
Tel.: 089-289 249 11
E-Mail: hauner@tum.de

Kontakt: presse@tum.de

Pressemitteilung der TUM vom 4.1.2012

Freitag, 10. Februar 2012

Frühe Periodenblutung kann höheres Diabetesrisiko bedeuten

Je jünger Mädchen bei ihrer ersten Periodenblutung sind, umso höher ist ihr Risiko im Laufe des Lebens an Vorstufen von Diabetes oder auch Diabetes selbst zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler des Helmholtz Zentrum München bei Auswertung von Daten der KORA-Kohorte. Mit dem jetzt vorab online bei dem Fachjournal Diabetologia veröffentlichten neuen Risikofaktor hoffen die Forscher, künftig Diabetes präventiv besser begegnen zu können.

Frauen mit einem erhöhten Diabetesrisiko könnten künftig anhand ihrer ersten Regelblutung identifiziert werden. Denn je früher diese eintritt, so haben Dr. Christine Meisinger, Dr. Doris Stöckl und ihre Kollegen vom Helmholtz Zentrum München jetzt herausgefunden, desto wahrscheinlicher treten im weiteren Leben Vorstufen von Diabetes oder auch Diabetes selbst auf. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher nach der Untersuchung von 1.503 Frauen im Alter von 32-81 Jahren im Rahmen der KORA-F4-Studie, wobei das durchschnittliche Alter, in dem die erste Regelblutung auftrat, 13 Jahre beträgt. Anders als bisher vermutet ist dieser Zusammenhang unabhängig vom BMI, den die Studienteilnehmer als Erwachsene haben

„Wir hoffen, dass es so möglich sein wird, Personen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko frühzeitig zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen zu treffen“, sagt Doris Stöckl. Sie und Ihre Kollegen untersuchen nun, inwiefern der entdeckte Zusammenhang auf genetische beziehungsweise sozialökonomische Faktoren beruht. Das Verständnis der Entstehungsmechanismen von Volkskrankheiten und die Ableitung neuer Angriffspunkte für Diagnose, Therapie und Prävention ist Ziel des Helmholtz Zentrums München.

Original-PublikationStöckl, D. et al. (2010). Age at menarche is associated with prediabetes and diabetes in women (aged 32–81 years) from the general population: the KORA F4 Study, Diabetologia, DOI: 10.1007/s00125-011-2410-3Link zur Fachpublikation.

Fachlicher Ansprechpartner Dr. med Doris Stöckl, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstraße 1, 85764 Neuherberg – Tel.: 089-3187-4153 – E-Mail:

Pressemittteilung Helmholtz Zentrum München vom 22.12.2011

Dienstag, 7. Februar 2012

Übergewichtige Kinder profitieren von Bewegungsförderung und Ernährungsberatung

Abschließende Ergebnisse einer Langzeitstudie der Universität Heidelberg
Übergewicht und Adipositas bei Kindern können mit Bewegungsförderung und Ernährungsberatung langfristig bekämpft werden. Das zeigen die Ergebnisse einer Langzeitstudie der Universität Heidelberg, in deren Rahmen 120 Kinder aus der Rhein-Neckar-Region von 2006 bis 2010 an einem Bewegungsförderungs- und Ernährungsprogramm teilgenommen haben. Die übergewichtigen Kinder konnten langfristig zu mehr Sport motiviert werden, wobei die abschließenden Auswertungen der motorischen Leistungstests und der medizinischen Untersuchungen vielfältige positive Effekte auf die Gesamtentwicklung der Kinder zeigten. An dem interdisziplinären Projekt waren Arbeitsgruppen des Instituts für Sport und Sportwissenschaft (ISSW), der Inneren Medizin der Universität Heidelberg, der Kinder- und Jugendklinik sowie der Abteilung Sportmedizin beteiligt.

„Das Projekt ‚Ballschule - leicht gemacht’ zielte in einer bisher einzigartigen Weise auf die Untersuchung der Wirkungen von Bewegungsförderung und Ernährungsberatung auf motorische, psychosoziale und medizinisch-gesundheitliche Merkmale von übergewichtigen Kindern“, erklärt Prof. Dr. Klaus Roth vom ISSW. Ausgangspunkt des von der Manfred Lautenschläger- und der Günter Reimann-Dubbers Stiftung unterstützten Projekts war ein Ergebnis der repräsentativen Robert-Bosch-Studie aus dem Jahr 2006, wonach 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu dick sind. Die Ruperto Carola führte daraufhin von 2006 bis 2010 eine kontrollierte Studie durch, bei der die teilnehmenden Kinder über sechs Monate hinweg an einer von vier Programmvarianten teilnahmen. Dabei wurden die Therapiebausteine Ernährungsberatung und Bewegungsförderung gemeinsam oder getrennt voneinander angeboten, um die unterschiedlichen Wirkungen auf die Entwicklung der übergewichtigen Kinder zu untersuchen. Vor Beginn und nach Ende der Interventionen wurde in der Kinder- und Jugendklinik sowie der Inneren Medizin der Gesundheitsstatus der Kinder umfassend analysiert. Zudem nahmen die Kinder am ISSW an motorischen, kognitiven und psychosozialen Tests teil.

„Bei der Durchführung des Programms spielte die Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Wir haben nicht – wie das bei bloßen ‚Kalorienverbrennungsprogrammen’ der Fall ist – auf kurzfristige Erfolge gesetzt, vielmehr wurden Kompetenzen vermittelt, damit die Kinder mehr Erfolgserlebnisse und damit mehr Spaß am Sporttreiben haben und sich die Wahrscheinlichkeit eines langfristig bewegungsaktiven und gesundheitsfördernden Lebensstils erhöht“, erklärt Dr. Ulrike Hegar vom ISSW.

Die Auswertungen der motorischen Leistungstests zeigen deutliche Verbesserungen bei den Kindern, die an der Bewegungsförderung teilnahmen. Sie betreffen einerseits die koordinativ-motorische Leistungsfähigkeit und die motorische Intelligenz, andererseits die konditionelle Belastbarkeit der Kinder bei Ausdaueranforderungen. „Diese Fähigkeiten sind Voraussetzungen für das Bewegungslernen etwa im Schulsport oder bei der Einführung neuer Sportarten“, erklärt Dr. Hegar. Bei den Kindern, die die Ballschule besuchten, ist zudem eine deutliche Verbesserung der Spielfähigkeit zu erkennen. „Das Spielen-Können stellt eine wichtige Kompetenz im Bewegungs- und Handlungsrepertoire von Grundschulkindern dar, ohne die sie von vielen gemeinschaftlichen Aktivitäten beispielsweise auf dem Schulhof oder in der Freizeit ausgeschlossen sind.“ Auch bei den medizinischen Parametern zeigte sich ein Vorteil für die Kinder, die an dem Bewegungs- und Ernährungsprogramm teilnahmen: Sie nahmen nicht nur weniger zu, sondern wiesen auch bessere Werte bei der Vermessung der Arterienwanddicke per Ultraschall auf.

„Dass das Projekt auch nachhaltig erfolgreich ist, zeigt sich an mehreren Mannheimer Schulen in sozialen Brennpunktvierteln, wo die ‚Ballschule - leicht gemacht’ seit Abschluss des Projekts einen festen Bestandteil des Nachmittagsangebots bildet“, erklärt Prof. Roth. An dem interdisziplinären Projekt waren die Arbeitsgruppen von Prof. Roth, Prof. Dr. Peter Nawroth (Innere Medizin), Prof. Dr. Georg Hoffmann (Kinder- und Jugendmedizin) und Prof. Dr. Peter Bärtsch (Sportmedizin) beteiligt.

Kontakt:
Dr. Ulrike Hegar, Institut für Sport und Sportwissenschaft, Telefon (06221) 54-4338
ulrike.hegar@issw.uni-heidelberg.de


Pressemitteilung der Universität Heidelberg, erschienen am 07.02.2012

Sonntag, 5. Februar 2012

Diabetes-Reha: Am besten maßgeschneidert

Beitrag aus dem Diabetes Ratgeber, erschienen am 5.1.201, lesen --> KLICK

Mittwoch, 1. Februar 2012

ADHS: Armut und Diabetes der Mutter potenzieren Risiko

Artikel erschienen bei scinexx.de am 4.1.2012, weiterlesen --> KLICK