Mittwoch, 11. April 2012

Diabetes ist eine Herzens-Angelegenheit

Hohe Blutzuckerwerte schädigen Gefäße / Vorbeugen gegen höheresHerzinfarktrisiko

Die Diagnose „Diabetes“ ist für viele Betroffene schlimm. Doch die Folgeerkrankungen, die bei einer zu späten oder unzureichenden Behandlung auftreten können, sind noch schlimmer. Gefürchtet sind vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Diabetes ist die Hauptursache für etwa zwei Drittel aller behandelten Herzinfarkte“, sagt der Aschaffenburger Diabetologe Dr. Gerhard Klausmann. Und: „Herzinfarkte mit tödlichem Ausgang sind bei Diabetikern häufiger als in der allgemeinen Bevölkerung.“ Alarmierend: Weit über die Hälfte aller Herzinfarktbetroffenen sind Diabetespatienten oder haben zumindest einen gestörten Zuckerstoffwechsel. Denn dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt nicht nur die kleinen, sondern auch die großen Gefäße. Deshalb haben Diabetiker ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Vorbeugen tut Not.

Zucker attackiert die Gefäße

Warum Diabetiker-Herzen gefährlich leben, lässt sich leicht erklären: Der bei Diabetes erhöhte Blutzuckerspiegel wirkt sich auf die Blutgefäße aus, besonders auf die Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel mit Blut versorgen. Weil sich die Blutgerinnungsneigung durch die Schädigung der Gefäße erhöht, wird das Blut dickflüssiger. Die Blutplättchen (Thrombozyten) schließen sich zu einer Art Geflecht zusammen, das sich an den Gefäßwänden ablagert. Mediziner sprechen hier von einem präthrombotischen Zustand. Dann besteht die Gefahr, dass die Herzkranzgefäße plötzlich verschlossen werden, der Betroffene erleidet einen Herzinfarkt. Etwa 20 Prozent aller Herzinfarkte treten ohne Schmerzen oder sonstige spürbare Beschwerden auf. 

Dies ist bei langjährigen Diabetikern sehr oft der Fall, denn neben der Schädigung der Gefäße sind bei ihnen häufig auch die Nerven angegriffen, sodass sie die Schmerzen gar nicht spüren können. Früh gegensteuern Doch so weit muss es nicht kommen. „Wenn die Diagnose und somit auch die richtige Einstellung des Diabetes frühzeitig erfolgen würde, könnte die Ereignisrate schwerer Folgeerkrankungen deutlich gesenkt werden“, weiß Dr. Eva-Maria Fach, Vorsitzende des Bundesverbands niedergelassener Diabetologen. „Leider ist das bei der Mehrzahl der Typ-2-Diabetiker nicht der Fall.“ Um Folgekrankheiten vorzubeugen, rät sie Patienten mit diagnostiziertem Diabetes, direkt einen Facharzt (Diabetologen) aufzusuchen. 

In Patientenschulungen vermittelt er Hintergrundwissen zur Erkrankung selbst und zum Umgang mit ihr. Darüber hinaus lernen Diabetiker, wie sie das Risiko von Folgeerkrankungen minimieren können. Herzgesund leben Um Gefäßschädigungen und Herzerkrankungen vorzubeugen, ist eine gute Blutzuckereinstellung das A und O. Wichtig ist auch, dass Diabetiker ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren. Sind Blutdruck und Blutfettspiegel erhöht, müssen auch diese Werte reguliert werden. Unerlässlich ist es, herzgesund zu leben: Ganz oben auf der Prioritätenliste steht der Abbau von Übergewicht, damit vor allem das schädliche Bauchfett schmilzt. 

Angesagt sind viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte sowie pflanzliche statt tierischer Fette. Abspecken gelingt jedoch nur, wenn zusätzlich auf mehr Bewegung gesetzt wird. Zuckerpatienten sollten also sportlich aktiv werden – am besten mehrmals pro Woche. Radeln oder Walken sind gute Sportarten, denn sie schonen die Gelenke, greifen aber die Speckpolster an und senken obendrein den Blutzuckerspiegel. Wichtig ist auch, sich das Rauchen abzugewöhnen, denn es erhöht den Blutdruck und verengt die Gefäße. Fest steht: Diabetiker, die regelmäßig zum Glimmstängel greifen, erleiden wesentlich häufiger einen Herzinfarkt!