Sonntag, 17. Juni 2012

Diabetes und Asthma - eine verhängnisvolle Kombi

In modernen Industrienationen steigt die Rate der chronisch Kranken seit Jahren stetig an. Die Höchstplatzierten in der Rangliste der Leiden sind dabei Diabetes und Asthma. Zahlreiche Studien belegen inzwischen einen Zusammenhang bezüglich der Häufigkeit dieser beiden Erkrankungen.

Ein schlecht eingestellter Diabetes verursacht häufig eine große Zahl an Begleit-erscheinungen, die wiederum verschiedene Organfunktionen beeinträchtigen können – darunter auch die der Lunge. Das Risiko, dass ein Typ-2-Diabetiker zusätzlich zum Asthmatiker wird und umgekehrt, schätzt man gegenüber stoffwechselgesunden Menschen als etwa doppelt so hoch ein. Dieser Zusammenhang wird zudem für Typ-1-Diabetes bestätigt. Insgesamt haben rund sieben Prozent der Erwachsenen in Deutschland Asthma bronchiale, Kinder noch häufiger. Die Zahl der Betroffenen liegt damit fast auf gleicher Höhe wie die der Diabetes-Patienten.

Das Wechselspiel durch Studien bestätigt

Eine 2011 veröffentlichte US-Studie konnte das lange vermutete Wechselspiel der beiden Erkrankungen belegen. Das Ergebnis der Untersuchung deutet daraufhin, dass von 2000 Kindern und jungen Erwachsenen zwischen 3 und 21 Jahren mit Typ-1-Diabetes elf Prozent auch an Asthma litten. Dies entspricht einer höheren Rate als bei gesunden Menschen derselben Altersgruppe. Außerdem erwies sich die Blutzuckereinstellung bei denjenigen Typ-1-Diabetikern, die asthmakrank waren, als besonders schwierig. Eine Anhäufung von Diabetes und Asthma zeigte sich dabei besonders in den Industrienationen und englischsprachigen Ländern.

Übergewicht als Hauptrisikofaktor

Als eine gemeinsame Ursache für den Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen gilt Übergewicht. Die Forscher vermuten dabei, dass die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe eine nicht geringe Rolle spielt. So konnte beobachtet werden, dass bei der Lungenerkrankung aufgrund der chronischen Entzündung der Atemwege vermehrt Entzündungsstoffe ins Blut abgegeben werden. Möglicherweise tragen diese zur Entstehung von Typ-2-Diabetes bei. Hinzu kommt, dass Menschen mit Asthma häufig kortisonhaltige Inhalationssprays gegen die Entzündungsprozesse inhalieren müssen. Das Medikament kann bei hoher Dosierung den Blutzuckerspiegel nachweislich erhöhen. Übergewichtige Diabetiker wiederum haben aufgrund erhöhter Blutzuckerwerte ein beeinträchtigtes Immunsystem. In diesem Fall folgern die Forscher, dass überschüssige Zuckermoleküle Rezeptoren von Immunzellen blockieren, die infolge dessen keine Krankheitserreger mehr aufspüren können. Daraus lässt sich ableiten, dass Diabetiker anfälliger für Infektionen, beispielsweise auch der Lunge, sind.

Viele Patienten ahnungslos - bessere Vorsorge gefordert

Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse zum gemeinsamen Auftreten von Diabetes und Asthma weist die Organisation diabetesDE auf die Notwendigkeit hin, Diabetiker stärker auf ihr Asthmarisiko und Asthma-Patienten auf Diabetes untersuchen zu lassen. Husten oder Atemprobleme, die nicht auf eine aktue Erkältung zurückzuführen sind, sollten dabei unbedingt ernst genommen werden. Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes oder Menschen mit Typ-2-Diabetes, denen derartige Symptome auffallen, sollten daher ihren behandelnden Arzt darauf ansprechen. Menschen mit Asthma raten Experten, sich auf eine eventuell auch bestehende Diabetes-Erkrankung untersuchen lassen.

Quelle: http://www.diabetesde.org/presse/pressemitteilungen/detail/zurueck/pressemitteilungen-3/artikel/diabetes-erhoeht-risiko-fuer-asthma-und-umgekehrt/