Mittwoch, 31. Oktober 2012

Wenn Darmbakterien dick machen

Artikel erschienen bei focus.de am 18.09.2012, lesen --> KLICK

Sonntag, 28. Oktober 2012

Amputationen bei Diabetes mellitus

Das Gehirn erinnert sich fehlender Gliedmaßen

Schmerzforscher der Uni Jena finden anatomische Veränderungen im Gehirn von Amputierten

Phantomschmerzen können Patienten das Leben zur Hölle machen. Nahezu jeder Patient berichtet nach einer Amputation von sogenannten Phantomsensationen. Diese Empfindungen können von leichter Intensität sein, etwa in Form von Wetterfühligkeit, aber auch so heftig, dass manche Patienten als letzten Ausweg den Suizid in Erwägung ziehen.

Es handele sich keineswegs um ein singuläres Phänomen, sagt Prof. Dr. Thomas Weiß von der Universität Jena. Immerhin verlieren in Deutschland jedes Jahr etwa 100.000 Menschen Gliedmaßen durch Amputation. Ursachen sind Unfälle, Krebs oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes.

Weiß leitet eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe zur Erforschung von Phantomschmerzen am Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie von Prof. Dr. Wolfgang H. R. Miltner. In einem gerade beendeten Projekt hat die Arbeitsgruppe untersucht, ob es anatomische Veränderungen im Gehirn von Amputierten gibt.

"Wir konnten zeigen, dass nach einer Amputation das Volumen in Kortexarealen zunimmt, die dem dorsalen und ventralen visuellen Pfaden zugerechnet werden", sagt Dr. Sandra Preißler von der Arbeitsgruppe um Prof. Weiß. Erklären lässt sich dieser Befund mit der Tatsache, dass Patienten mit einer Prothese bestimmte Bewegungsabläufe visuell kontrollieren bzw. steuern müssen, die ein gesunder Mensch automatisiert verrichtet. Interessanterweise fällt diese Volumenzunahme bei Patienten mit starken Phantomschmerzen geringer aus, sagt Preißler. Thomas Weiß vermutet einen Zusammenhang mit der Prothesennutzung: "Patienten, die ihre Prothese oft tragen und benutzen, trainieren zugleich die für das Visuelle zuständigen Hirnareale."

Insgesamt 28 Patienten nahmen an der Studie teil. Darunter waren Schmerzpatienten und Patienten mit leichten oder ohne Beschwerden. Die Gehirnscans wurden per hochauflösendem Magnet-Resonanz-Tomographen erstellt. Wie Prof. Weiß erläutert, konnten die Jenaer Wissenschaftler auch nachweisen, dass die durch den Verlust einer Hand oder eines Armes freiwerdenden Hirnareale von ihren Nachbarstrukturen "erobert" werden. Offensichtlich greife hier jener evolutionäre Effekt, der beispielsweise die Steuerungs-Areale der Spielhand von Violinisten wachsen lässt.

Sandra Preißler, die gemeinsam mit Johanna Feiler für die Hirn-Scans der Probanden verantwortlich zeichnete, hat ein anschauliches Bild für dieses Phänomen gefunden: "Es ist zu vergleichen mit einer Wiese, die nicht mehr gepflegt und nun von den umgebenden Gebüschen zurückerobert wird." Thomas Weiß konstatiert, dass dieser Effekt ein Beleg für die hohe Dynamik des Systems Gehirn ist. Noch sei keine therapeutische Relevanz der Forschungsergebnisse gegeben, sagt Weiß. Doch die Forschung geht weiter.
Gefördert von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung wollen die Jenaer Wissenschaftler in ihrer aktuellen Studie Bein- und Fußamputierte einbeziehen. Gesucht werden Patienten, die möglichst aus der Region kommen.  Interessierte können sich bei Dr. Sandra Preißler anmelden, Telefon 03641-945157, E-Mail s.preissler@uni-jena.de.

Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, erschienen am 13.09.2012

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Gesundheitsgefahr in Wurst und Käse

Beitrag erschienen bei focus.de am 25.09.2012, lesen --> KLICK

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Diabetes ohne oGTT oft unerkannt

Artikel von Christine Starostzik, erschienen bei aerztezeitung.de am 14.09.2012, lesen --> LINK

Montag, 22. Oktober 2012

Nur jeder zehnte Deutsche lebt richtig gesund

Beitrag erschienen bei focus.de am 05.10.2012, lesen --> KLICK

Sonntag, 21. Oktober 2012

Das neue Ärztehaus am Asklepios-Klinikum in Weißenfels ist eröffnet



Foto: Peter Uske
Weiβenfels * Karsten Milek freut sich an diesem Mittwoch ganz besonders über die offizielle Eröffnung des Ärztehauses am Asklepios-Klinikum in Weiβenfels. Schlieβlich war der Arzt der erste Mieter, der vor Wochen eingezogen ist. Da war er für einige Zeit ganz allein in dem 1400 Quadratmeter groβem Haus.
„Das war schon ein eigenartiges Gefühl“, gibt der Mann heute lachend zu. Aber er bekommt dadurch auch hautnah mit, was in dem 2,3 Millionen teuren Objekt heranwächst. „Wenn ich mit dem Fahrstuhl hinaufgefahren bin, habe ich gesehen, wie nach und nach die anderen Mieter einziehen“, erinnert er sich noch gut. Milek merkt auch, was dort zusammenwächst. Er erzählt von Gesprächen zwischen den Fachleuten und von tatsächlich kurzen Wegen. So schickt er die Post nun nicht mehr an das Krankenhaus, sondern wirft sie nebenan in den Briefkasten. Er lobt auch das architektonische Konzept seiner Praxis. Dieses und eben die kurzen Wege hätten bereits gezeigt, dass er und seine Mitarbeiter schneller fertig würden. Das ist aber noch nicht alles. Milek, der in Hohenmölsen eine Praxis hat, kennt das Gefühl, ein Einzelkämpfer zu sein. „Hier herrscht Gemeinsamkeit“, sagt er und betont aber gleichzeitig, dass Hohenmölsen ein Standort bleiben wird.

Uwe Bauer, Geschäftsführer des Asklepios-Klinikums Weiβenfels, hat ebenfalls nur lobende Worte. Er spricht von einem geschaffenen Komfort für Patienten, der zugleich die Versorgungsstufen einspare. „Das Haus wird den Standort Weiβenfels erheblich festigen und neue Angebote etablieren: sagt er. Uwe Bauer blickt aber auch auf die Chronologie zurück. Ab dem Jahr 2003 sei die Idee zu diesem Pilotprojekt für Weiβenfels geboren. Drei Jahre später habe die Planungsphase begonnen. 2011 wird das Richtfest gefeiert und nun bereits die Eröffnung. „Es ist schneller vorangegeangen, als wir dachten“, so Bauer. Denn eigentlich sollte der Schlüssel erst offiziell Ende diesen Jahres offiziell umgedreht werden können, aber offenbar haben die Handwerker zügig gearbeitet. Leerstand gibt es in dem barrierefreien Haus nicht. Alle Bereiche sind bereits vermietet, ein Groβteil bereits eingerichtet.

Von den Worten Bauers bekommt zu dieser Stunde Hans-Joachim Rauch nicht viel mit. Er steht in seinem Sanitätsgeschäft für die Kunden bereit. Für Rauch haben sich übrigens seine Wünsche, die er schon während des Richtfestes gehabt hat, erfüllt. „Es ist super geworden“ sagt er. „Seit vier Wochen bin ich hier und fühle mich wohl“, so der Fachmann wieter. Er sieht sich und sein Angebot neben der typischen Ware eines Sanitätshauses als ergänzendes Sortiment zu den anderen Mietern. Hans-Joachim Rauch meint damit beispielsweise die Bademäntel und Nachtwäsche, die in seinem Verkaufsraum hängen. Die sind unter anderem für Patienten bestimmt, die unvorbereitet in das Krankenhaus eingeliefert werden. Oder eben aber auch Pflegeutensilien, falls einer der Menschen als Pflegefall die Einrichtung verlassen muss und auf kurzem Wege diese Sachen benötigt. „Auβerdem wollen wir hier den Patienten beratend zur Seite stehen“, so der Mann, der mit diesem Geschäft nun drei Standbeine seines Unternehmens hat.

Angebot: Im Ärztehaus am Klinikum Weiβenfels sind ansässig: Hausarzt- und Diabetologische Schwerpunktpraxis Karsten Milek, Kranken- und Altenpflege Christine Keller, Anästhesiologie Monika Schedewi, Facharzt für Hals-, Nasen-Ohren, Schlafmedizin und Allergologie Kay Andrä, Sanitätshaus Karl Fischer, Logopädische Praxis Sebastian Schmidt, Neurochirurgie Stefan Welschehold, Aesculap-Apotheke A. Wille. Einziehen werden Internistin Kerstin Kittel und Augenärztin Stefanie Andrä.

Artikel von Andrea Hamann, erschienen in der Mitteldeutschen Zeitung am 18.10.2012

Samstag, 20. Oktober 2012

Süßigkeiten mit Müsli-Anstrich

Frühstücksflocken, die für Kinder vermarktet werden, sind fast ausnahmslos überzuckert und erfüllen nicht die Ansprüche an ein kindgerechtes Frühstück. Das zeigt ein foodwatch-Marktcheck von 143 Produkten, die in Aufmachung und Werbung gezielt Kinder ansprechen. In jeder zweiten Packung stecken mindestens 30 Prozent Zucker.


Frühstücksflocken, die für Kinder vermarktet werden, sind fast ausnahmslos überzuckert und erfüllen nicht die Ansprüche an ein kindgerechtes Frühstück. Das zeigt ein foodwatch-Marktcheck von 143 Produkten, die in Aufmachung und Werbung gezielt Kinder ansprechen. In jeder zweiten Packung stecken mindestens 30 Prozent Zucker.

Cookie Crisp, Smacks und Co.: Im Supermarktregal stapeln sich die knallbunten Packungen von Kinder-Frühstücksflocken. In einem umfangreichen Marktcheck hat foodwatch 143 verschiedene Sorten, die gezielt für Kinder vermarktet werden, unter die Lupe genommen – und nicht einmal 6 Prozent weisen einen Zuckergehalt von unter 10 Prozent auf. Rund 85 Prozent der untersuchten Produkte haben einen Zuckergehalt von mindestens 20 Prozent. In jeder zweiten Packung stecken sogar mindestens 30 Prozent Zucker. Viele Flocken sind damit zuckriger als Kuchen oder Schokokekse. Die so genannten „Cerealien“ für Kinder sind also vor allem eines: Süßigkeiten mit Müsli-Anstrich und kein geeignetes Frühstück für Kinder.

Spielzeug für die Kleinen, Vitamine für die Großen
Getreideflocken könnten eigentlich ein kindgerechtes, ausgewogenes Produkt sein. Doch die Lebensmittelindustrie hat daraus ein billiges Gemisch aus Mehlpampe und Zucker gemacht, mit dem Kinder schon am Frühstückstisch auf einen süßen Geschmack geprägt werden. Nestlé, Kellogg’s und Co. locken die Kleinsten mit Comicfiguren, Gewinnspielen und Spielzeugbeigaben – und Eltern mit dem Versprechen auf gesunde Vitamine und Vollkorngetreide. Für die Industrie sind die Flocken mit der billigen Zutat Zucker ein einträgliches Geschäft – für die Gesundheit unserer Kinder jedoch fatal. Bereits jetzt gelten 15 Prozent der Kinder in Deutschland als zu dick, 6 Prozent sogar als fettleibig (adipös).
foodwatch fordert Zuckergrenze
foodwatch fordert deshalb klare gesetzliche Mindestanforderungen für Kinder-Frühstücksflocken: Nur noch solche Produkte, die maximal 10 Prozent Zucker enthalten, dürfen an Kinder vermarktet werden. Diese Zuckergrenze muss gesetzlich festgelegt werden – denn von sich aus werden die Hersteller nicht aufhören, Kinder mit Zuckerbomben zu ködern. Im Gegenteil. Nestlé-Chef Gerhard Berssenbrügge entgegnet der Kritik an den Zuckerflocken: „Ich kann Sie beruhigen: Unsere Frühstücks-Cerealien sind keine Süßigkeiten, sondern ein vollwertiger Start in den Tag.“ Der foodwatch-Marktcheck zeigt jedoch: Es gibt keine einzige Sorte Kinder-Frühstücksflocken im ganzen Nestlé-Sortiment, die weniger als 30 Prozent Zucker enthält – sogar Schokokekse und Kuchen sind da „ausgewogener“.
Bio = besser?
Auch im Bio-Bereich haben fast 60 Prozent der Flocken einen Zuckergehalt von mehr als 20 Prozent. Hersteller dennree beispielsweise gibt die Menge an Zucker nicht einmal auf der Packung an. Gleichzeitig zeigen aber vor allem Bio-Produzenten: Es ist möglich, ausgewogene Frühstücksflocken für Kinder mit weniger als 10 Prozent Zucker anzubieten.
Was Nestlé vormacht, macht Lidl nach
Gerade die großen Markenhersteller tragen hier eine besondere Verantwortung. Der foodwatch-Test zeigt: Zwar sind auch die Eigenmarken der Supermarkt-Ketten oft wahre Zuckerbomben. Allerdings imitieren Aldi, Lidl und Co. mit ihren Flocken häufig die Produkte der Markenhersteller. Die großen Marken prägen mit ihren Produkten den Markt und geben vor, was kleinere Hersteller und Handelsmarken dann kopieren: Was Nestlé mit seinen zuckrigen „Cini Minis“ vormacht, macht Lidl mit den „Zimtinos“ nach. 
In einer E-Mail-Aktion fordert foodwatch Nestlé auf, seiner Verantwortung als einer der größten Hersteller gerecht zu werden und keine Zuckerbomben mehr als geeignet für Kinder zu bewerben.

Mitteilung von foodwatch, erschienen am 24.09.2012



Donnerstag, 18. Oktober 2012

Diabetes trifft meist Menschen in Ost-Deutschland

Beitrag erschienen bei focus.de am 25.09.2012, lesen --> KLICK

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Vorhofflimmern: Verkanntes Risiko

Artikel von Daniela Pichleritsch, erschienen im Diabetes Ratgeber am 14.09.201, lesen --> LINK

Montag, 15. Oktober 2012

Fünf Tipps für die gesunde Nachtruhe

Artikel erschienen bei focus.de am 01.08.2012, lesen --> KLICK

Samstag, 13. Oktober 2012

Vorboten für Diabetes Typ 2

Artikel bei fr-online.de, erschienen am 27.09.2012, lesen --> LINK

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Gegen Diabetes ist ein Kraut gewachsen

Artikel von Stefanie Liedtke, erschienen bei fnp.de am 13. September 2012, lesen --> LINK

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Die geheime Macht der Darmbakterien

Artikel erschienen bei focus.de am 11.09.2012, lesen --> KLICK
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Angst, Depression und Stress: Die geheime Macht der Darmbakterien - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/darm/tid-27253/die-geheime-macht-der-darmbakterien-1-wie-die-darmflora-unser-verhalten-beeinflusst_aid_816300.html

Montag, 8. Oktober 2012

Diabetes als Spätfolge einer Strahlentherapie

Bisher wurde die Bauchspeicheldrüse als relativ strahlenresistent angesehen. So führen die französischen und britischen Leitlinien das Pankreas nicht als Risikoorgan einer Strahlentherapie an. Eine neue Studie weist jetzt erstmals eine Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen einer Bestrahlung in der Kindheit und dem Auftreten eines Diabetes nach (1). Diese wurde unter der Leitung von Florent de Vathaire, INSERM, Villejuif, Frankreich an Patienten aus Frankreich und Großbritannien durchgeführt, die in der Kindheit wegen eines Neuroblastoms, eines Wilms-Tumors (=Nephroblastoms) oder eines Hodgkin-Lymphoms eine abdominale oder Ganzkörper-Bestrahlung als Teil des Therapiekonzepts erhalten hatten. Sie wurden im Mittel 28 Jahre nachbeobachtet. Der Diabetes trat selten vor dem 20. Lebensjahr auf, dann erfolgte ein steiler Anstieg. Mit 45 Jahren hatten 6.6% der bestrahlten und nur 2.3% der Kontrollpersonen einen Diabetes entwickelt (p=0.0003). Der Effekt war abhängig von der Strahlendosis. Er war besonders ausgeprägt, wenn die inselzellreiche Pankreasschwanzregion einer Strahlenbelastung ausgesetzt war. Etwa die Hälfte der Patienten wurde mit oralen Antidiabetika behandelt, und ungefähr je ¼ mit Insulin allein oder kombiniert mit beiden. 

Schon in der „Childhood Cancer Survivor Study“ in den USA (2) war eine Diabeteshäufung bei in der Kindheit bestrahlten Personen gefunden worden: Nach Strahlentherapie war ein Diabetes bei Neuroblastom-Patienten 7x, bei Wilms-Tumoren oder Hodgkin-Lymphomen 2x häufiger als bei ihren nicht bestrahlten Geschwistern. Die Dosis-Wirkungsrelation in der neuen Studie (1) spricht jetzt für eine Kausalität.

Kommentar: Das Pankreas muss nach diesen Befunden als ein vor allem in der Kindheit strahlensensibles Organ angesehen werden. Ein Screening auf Diabetes ist nach Bestrahlung im frühen Alter spätestens ab dem 20. Lebensjahr in die Nachkontrollen einzubeziehen. In Deutschland betreffen Neuroblastome etwa 8% aller Krebsformen im Kindes- und Jugendalter, das sind ~140 Kinder pro Jahr, Wilms-Tumoren stellen ~6-10% aller bösartigen Tumoren in diesem Lebensabschnitt dar.

Literatur:
(1) Lancet Oncology, published online August 22, 2012
(2) Arch Intern Med, 2009. 169: 1381-1388


Publiziert von Prof. Helmut Schatz  im Blog der DGE am 24.08.2012

Sonntag, 7. Oktober 2012

Keine Impotenz durch Blutdrucksenker

Für Erektionsstörungen sind eher kranke Gefäße von Diabetikern, Übergewichtigen und Rauchern verantwortlich

Einen sicheren Zusammenhang zwischen Blutdrucksenkern und Erektionsstörungen lässt sich nicht herstellen - entgegen einer unter betroffenen Männern weit verbreiteten Annahme. "Kommt es zu einer sogenannten erektilen Dysfunktion, sollten Männer das Warnsignal richtig deuten", meint der Bremer Kardiologe, Dr. Erhard König. Denn nicht nur Psyche, Nervensystem und Hormone seien an der Aufrechterhaltung einer Erektion beteiligt, sondern auch eine intakte Gefäßfunktion.

"Erektionsstörungen können definitiv ein Hinweis auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung sein. Betroffene sollten sich unmittelbar ärztlichen Rat einholen", meint König. Der Grund: Erektionsstörungen und Herzkreislaufkrankheiten haben viele Gemeinsamkeiten. Sie treten im Alter häufiger auf. Rauchen, Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck verstärken das Risiko. "Die Ursache bei beiden Erkrankungen kann eine Durchblutungsstörung sein. Insofern sind Erektionsstörungen oft ein Vorläufer für Herzinfarkt oder Schlaganfall", erklärt König. Eine Fehlfunktion der Gefäßinnenhaut verhindere dabei die Erektion und sei in der Regel die Vorstufe einer Gefäßerkrankung.

Wissenschaftliche Studien haben einen Zusammenhang zwischen einer sogenannten erektilen Dysfunktion und Bluthochdruck belegen können. Entstehende Gefäßverkalkungen, wirken sich eben nicht nur negativ auf Herz und Kreislauf aus, sondern können auch die Durchblutung der Blutgefäße im Penis beeinträchtigen. König weiter: "Eine individuelle medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks ist geboten und löst dennoch nach meiner Erfahrung bei männlichen Patienten Bedenken aus. Sie befürchten wegen der blutdrucksenkenden Wirkung der Arzneimittel eine Beeinträchtigung ihres Sexualverhaltens." Dabei sei es in der Regel gerade umgekehrt: Die Durchblutungsstörung ist die Ursache der Erektionsstörung, nicht ein blutdrucksenkender Wirkstoff.

Dies bestätigen Studien, denen zufolge ein sicherer Zusammenhang zwischen Blutdrucksenkern und Erektionsfähigkeit nicht zu erbringen war. Blutdrucksenker wirken sehr unterschiedlich: Weil Betablocker die Gefäßerweiterung hemmen, wird häufig eine Beeinträchtigung der Erektionsfähigkeit vermutet. Der Bremer Kardiologe weiß aber: "Es hat sich gezeigt, dass bei der Einnahme von Betablockern tatsächlich nur geringfügig mehr erektile Dysfunktionen auftreten." Über die Wirkung von Diuretika - also Medikamenten mit harntreibender Funktion, die ebenfalls blutdrucksenkend wirken - gibt es nur wenig belastbare Aussagen. "Zwar war nach zwölf Monaten der Einnahme eine signifikante Verschlechterung nachweisbar. Nach 24 Monaten allerdings bereits nicht mehr", erklärt König weiter. Bei den sogenannten Kalziumantagonisten wie Amlodipin konnte in klinischen Studien kein derartiger Effekt bestätigt werden. Eher positiv wirkten sich gar ACE-Hemmer wie Ramipril aus. Sie senken den Blutdruck und sorgen so für eine Entspannung der Gefäße, was wiederum die Erektionsfunktion begünstigt.

Erhard König empfiehlt deswegen: "In jeder Hinsicht lohnt es sich, Gefäßerkrankungen und Bluthochdruck durch gesundheitsbewusstes Verhalten positiv zu beeinflussen. Regelmäßiger Ausdauersport wie Walking, ausgewogene Ernährung, wenig Alkohol und ein Abschied von der Zigarette helfen, Blutgefäße gesund zu erhalten und können damit auch Erektionsstörungen vorbeugen."

Pressemitteilung Kardiologisch-Angiologische Praxis Herzzentrum Bremen vom 28.08.2012

Samstag, 6. Oktober 2012

Erforschung der Volkskrankheit Diabetes intensivieren

Zunahme von Typ-2-Diabeteserkrankungen nicht allein durch Übergewicht zu erklären

Seit 1998 ist die Zahl der übergewichtigen Menschen in Deutschland insgesamt unverändert, die der adipösen Männer und Frauen leicht gestiegen. Im gleichen Zeitraum kam es zu einer deutlichen Zunahme von Erkrankungen mit Typ-2-Diabetes mellitus, wie eine aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts belegt. Dieser Diabetes-Anstieg entspricht nicht dem Mehr an adipösen Menschen in unserer Gesellschaft, stellt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fest.

"Übergewicht und Bewegungsmangel sind demnach nicht die alleinige Ursache für den Diabetes-Anstieg", betont DDG Präsident Professor Dr. med. Stephan Matthaei aus Quakenbrück. Um weitere Risikofaktoren zu erkennen und ihnen zu begegnen, müsse die Forschung intensiviert werden.

Die "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" des Robert Koch-Instituts kam zu dem Schluss, dass der Anteil der Übergewichtigen und adipösen Menschen mit einem Body-Mass-Index von über 25 kg/m2 im Zeitraum 1998 bis 2012 mit 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen gleich geblieben ist. Gleichzeitig stieg in diesem Zeitraum der Anteil der adipösen Männer mit einem Body-Mass-Index größer als 30 kg/m2 von 19 auf 23 Prozent, der Anteil der fettleibigen Frauen von 23 auf 24 Prozent leicht an.

Ungleich dramatischer stellt sich für diesen Zeitkorridor die Zunahme von Erkrankungen an Diabetes mellitus Typ 2 dar: Die Zahl der Menschen mit erkanntem Diabetes mellitus stieg von 1998 bis 2012 von 5,2 auf 7,2 Prozent der Bevölkerung. Dies entspricht weit über einer Million mehr Menschen mit Diabetes - obwohl der Anteil der sportlich aktiven Menschen ebenfalls deutlich zunahm. Insgesamt sind in Deutschland nach der RKI-Studie 5,9 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, wenn man die noch unerkannten Patienten mitberücksichtigt. Diese Zahl wird bis zum Jahr 2030 weiter rasant um 1,5 Millionen alleine bei den 55- bis 74-Jährigen steigen, wie epidemiologische Schätzungen kürzlich zeigten.

"Ausgewogene Ernährung und Bewegung sind zwar sehr wichtig", betont DDG Pressesprecher Professor Dr. med. Andreas Fritsche aus Tübingen. "Die Zahlen zeigen jedoch, dass ein Großteil der Neuerkrankungen an Diabetes mellitus nicht alleine auf die bekannten Risikofaktoren Übergewicht oder Bewegungsmangel zurückgeführt werden kann." Es gebe Menschen, die nicht übergewichtig sind und trotzdem an Diabetes Typ 2 erkranken. "Umgekehrt bekommt nicht jeder, der übergewichtig ist, automatisch Diabetes", so Fritsche. "Auch die Alterung der Bevölkerung erklärt den starken Anstieg der Diabeteshäufigkeit nur zu einem kleinen Teil, der sich auf 14 Prozent beläuft."

Die DDG plädiert daher dafür, die Erforschung der Volkskrankheit Diabetes zu intensivieren. Neue wissenschaftliche Ergebnisse deuten darauf hin, dass unter anderem Art und Verteilung des Körperfetts, die Leber, genetische Merkmale und eine verminderte Insulinwirkung die Entstehung von Diabetes stark beeinflussen. "Wir müssen neue Wege in Prävention und Therapie gehen, um die Diabetes-Epidemie in den Griff zu bekommen", betont Professor Matthaei. "Es zeichnet sich ab, dass wir noch passgenauere, individuelle Maßnahmen in der Lebensstilberatung und bei der Ernährungsumstellung benötigen."

Quellen

 Pressemitteilung der Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) vom 28.08.2012

Freitag, 5. Oktober 2012

Richtige Farbe der Fettzellen - geringeres Diabetesrisiko

Wie "beiges" Fett Pfunde purzeln lässt

Wissenschaftler der Universität Bonn und des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried haben einen Signalweg entschlüsselt, der die Verbrennung von Körperfett ankurbeln könnte. Mäuse sind deutlich schlanker und verfügen über mehr der begehrten braunen und beigen Fettzellen, die Energie in Wärme umwandeln, wenn ihnen ein Signalschalter, der VASP genannt wird, fehlt. Damit könnte sich ein neuer Weg in der Bekämpfung der Fettleibigkeit abzeichnen. Die Forscher stellen ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des renommierten Journals "Science Signaling" vor, das am 28. August erscheint.

Die Zahl der fettleibigen Menschen nimmt durch Bewegungsmangel, aber auch genetische Faktoren, weltweit stark zu - mit absehbar großen gesundheitlichen Folgen. Mit dem Übergewicht steigt das Risiko, etwa an Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Arteriosklerose zu erkranken. "Die Fettreserven dienen eigentlich als Energiespeicher, um magere Zeiten zu überstehen", sagt Prof. Dr. Alexander Pfeifer, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Bonn. "Doch heutzutage muss in den Industrienationen kaum mehr ein Mensch solche Hungerphasen durchmachen."

Ein Signalweg kurbelt die Fettverbrennung im Körper an

Da viele Menschen mit der Nahrung mehr Energie aufnehmen, als sie verbrennen können, ist der Traum von einer Wunderpille verbreitet, die das Fett einfach abschmelzen lässt. Wissenschaftler um Prof. Pfeifer haben nun mit Kollegen der Epileptologie und des Pharma-Zentrums der Universität Bonn zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried einen Signalweg im Stoffwechsel von Mäusen entschlüsselt, der die Verbrennung im Körper der Nager tatsächlich ordentlich ankurbelt.
"Die Wissenschaft unterscheidet drei verschiedene Arten von Fett", berichtet Prof. Pfeifer. Das weiße Fett dient als Energiespeicher und steckt in den "Problemzonen" übergewichtiger Menschen. "Hingegen dienen braune Fettzellen als eine Art Heizaggregat", sagt der Pharmakologe. "Sie sorgen bei Säuglingen dafür, dass sie nicht zu sehr auskühlen." Leider kommen die braunen Fettzellen bei Erwachsenen kaum noch vor - bis auf kleine Bereiche am Nacken und entlang der Wirbelsäule. Die dritte Kategorie - die sogenannten "beigen Fettzellen" - sind die Hoffnungsträger der Forscher. "Sie setzen genauso wie die braunen Fettzellen Nahrungsenergie effizient in Wärme um und können sich aus den unerwünschten weißen Fettzellen heraus bilden", erläutert Prof. Pfeifer.

Wie lassen sich weiße Fettzellen in braune oder beige umwandeln?

Im Zentrum der Forschung stand deshalb die Frage: Wie lassen sich an Stelle der weißen Fettzellen möglichst viele braune oder beige herstellen? "Es geht also darum, einen Weg zu finden, weißes Fett zu bräunen - natürlich nicht in der Pfanne, sondern direkt im Körper", bringt es der Pharmakologe der Universität Bonn auf den Punkt. Das Team um Prof. Pfeifer hat bereits in einer 2009 veröffentlichten Studie herausgefunden, dass das braune Fett auf den Botenstoff "cGMP" angewiesen ist. Das gilt nach den neuen Erkenntnissen genauso für das beige Fett. Die Forscher untersuchten nun an den Mäusen, wo das cGMP herkommt und wie es reguliert wird.
Dabei zeigte sich, dass das VAsodilator-Stimulated Phosphoprotein (VASP) eine wichtige Rolle als Schalter in einem Signalweg spielt, der die Bildung brauner und beiger Fettzellen bremst. "Mäuse, bei denen das Gen für die Bildung des VASP ausgeschaltet wurde, verfügen deshalb über aktiveres braunes und beiges Fett", fasst Prof. Pfeifer das Ergebnis der Untersuchungen zusammen. "Diese Tiere sind sehr schlank und verfügen über einen höheren Energieverbrauch." Die Wissenschaftler sehen darin einen potenziellen Ansatzpunkt, energie- und fettzehrende braune Fettzellen zu fördern, wenn ein Hemmstoff für das VASP entwickelt wird.

Hoffnung auf neue Therapien gegen Fettleibigkeit

"Vielleicht könnten wir damit sogar weiße Fettzellen dazu überreden, sich in braunes oder beiges Fett umzuwandeln", sagt der Forscher der Universität Bonn. "Damit würde sich eine sinnvolle Möglichkeit abzeichnen, Fettleibigkeit wirksam zu therapieren." Doch das ist noch Zukunftsmusik. Bislang ist dieser Signalweg nur für die Maus beschrieben. "Es muss sich erst noch zeigen, ob das auch im Menschen gelingt", sagt Prof. Pfeifer. Bislang handele es sich um Grundlagenforschung, die aber neue Wege eröffne.
Publikation: A VASP/Rac/sGC pathway controls cGMP production in adipocytes, "Science Signaling", DOI: 10.1126/scisignal.2002867


Pressemitteilung der  Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 28.08.2012

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Diabetes: Stumme Herzinfarkte häufiger als angenommen

Artikel erschienen bei aerzteblatt.de am 05.09.2012, lesen --> KLICK

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Studie zeigt: Fettleibigkeit erhöht das Darmkrebsrisiko

Regelmäßige Darmspiegelung ist eine optimale Vorsorge

Jährlich erkranken rund 70.000 Menschen an Darmkrebs, darunter überdurchschnittlich viele Fettleibige. In einer aktuellen Meta-Analyse konnten koreanische Wissenschaftler nun belegen, dass das Risiko für Darmpolypen bei schwer übergewichtigen Menschen um durchschnittlich 40 Prozent höher ist als bei normalgewichtigen. Um diese frühzeitig erkennen und entfernen zu können, ist eine regelmäßig durchgeführte Darmspiegelung für diese Gruppe besonders wichtig.

Für das Ergebnis haben Wissenschaftler Daten aus insgesamt 25 Studien ausgewertet, an denen mehr als 30.000 Menschen teilgenommen haben. Dabei konnten sie feststellen, dass fettleibige Personen verstärkt dazu neigen, Polypen, eine Vorstufe von Darmkrebs, im Dick- und Enddarm zu entwickeln. Werden die Polypen frühzeitig durch eine Darmspiegelung entdeckt und anschließend entfernt, kann Krebs erst gar nicht entstehen. Die regelmäßige Darmkontrolle ist daher gerade für die Risikogruppe schwer übergewichtiger Menschen essentiell. Eine gründliche Reinigung des Organs im Vorfeld gewährleistet, dass die Untersuchung optimal durchgeführt werden kann: Nur in einem rückstandslos gereinigten Darm hat der Mediziner freie Sicht und kann eventuell vorhandene Unregelmäßigkeiten, wie beispielsweise Darmpolypen, erkennen.

2-Liter-PEG-Lösung: Effektive und schonende Reinigung

Moderne Lösungen in verschiedenen Geschmacksrichtungen (wie z. B. MOVIPREP® in den Geschmacksrichtungen Orange und Zitrone) helfen dabei, die Darmreinigung so schonend und angenehm wie möglich zu gestalten - ein wichtiges Kriterium für Patienten. So reduziert sich mit Einnahme der sogenannten 2-Liter-PEG-Lösung (Polyethylenglykol mit Ascorbinsäure und Natriumascorbat) die Menge der Lavagelösung von vier auf zwei Liter. Der Patient nimmt am Vorabend und am Morgen der Untersuchung je einen Liter Reinigungslösung und mind. einen halben Liter klare Flüssigkeit, wie zum Beispiel Mineralwasser, zu sich. Die in der Lösung enthaltenen Elektrolyte und die zusätzliche Flüssigkeit sorgen dafür, dass der Körper nicht belastet wird und der Wasserhaushalt ausgeglichen bleibt. 

Krebsrisiko mit Insulinspiegel senken

Als ein Grund für das erhöhte Krebsrisiko Übergewichtiger wird der erhöhte Insulinspiegel vermutet: Durch die Unempfindlichkeit fettleibiger Menschen gegen Insulin produziert die Bauchspeicheldrüse automatisch mehr von dem Hormon. Als Wachstumshormon verfügt Insulin jedoch über das Potenzial, auch das Wachstum von Krebszellen in Gang zu setzen. Eine Ernährungsumstellung auf vollwertige Speisen, Obst und Gemüse kann die Zellen wieder empfindlicher und empfänglicher für Insulin machen. Sport trägt zusätzlich zur Gewichtsreduktion bei, so dass das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, weiter gesenkt werden kann.

Quellen

  • Yeon Ji Lee, Seung-Kwon Myung, BeLong Cho et al.: Adiposity and the risk of colorectal adenomatous polyps: a meta-analysis. In: Cancer Causes and Control Volume 22, Number 7 (2011), 1021-1035.
Pressemitteilung Norgine GmbH vom 28.08.2012

 

Dienstag, 2. Oktober 2012

Psoriasis-Patienten haben ein hohes Diabetes-Risiko

Neue Studienergebnisse auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie vorgestellt Menschen, die an Psoriasis (Schuppenflechte) leiden, haben ein deutlich höheres Risiko, Diabetes zu entwickeln. Das ist das Ergebnis einer dänischen Studie, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München vorgestellt wurde. 

Insgesamt wurden die Daten von vier Millionen Menschen analysiert, von denen 50.000 Menschen eine Psoriasis entwickelten und ab diesem Zeitpunkt 13 Jahre lang beobachtet wurden. Das Diabetes-Risiko steigt bei Psoriasis-Betroffenen mit dem Schweregrad der Erkrankung, zeigte die aktuelle Studie: Wer eine milde Form der Psoriasis hat, hat ein um 50 Prozent höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken als Menschen ohne diese Hautkrankheit (6,93 vs. 3,67 neue Diabetes-Fälle pro 1000 beobachtete Patientenjahre), bei schweren Psoriasis-Formen steigt das Risiko sogar auf das Doppelte an (9,65 vs. 3,67). Für dieses weitgehend unterschätzte Risiko müsse Bewusstsein geschaffen werden, so Studien-Co-Autor Dr. Ole Ahlehoff: "Diese Patientengruppe muss dafür sensibilisiert werden, wie sie ihr Herz-Kreislaufrisiko senken kann." 

Ein möglicher Hintergrund für die Zusammenhänge, so Prof. Dr. Eckart Fleck (Deutsches Herzzentrum Berlin): "Bei Psoriasis, bei Ablagerungen in den Arterien und bei frühen Stufen von Diabetes spielen immer lokale chronische Entzündungsprozesse eine Rolle. Dies ist ein zentraler Mechanismus, der bei den Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ursächlich ist." 

Quelle ESC-Abstract 2216: Khalid et al…, Psoriasis is associated with increased risk of incident diabetes mellitus: a Danish nationwide cohort study. 

Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK)vom 29.08.2012

Montag, 1. Oktober 2012

Heilung eines Typ-1 Diabetes durch Tuberkuloseimpfung?

Impfung mit einer Bacillus Calmette-Guerin (BCG)-Vaccine, wie sie seit 1921 in Gebrauch ist, hat in einer Pilotstudie an Typ-1-Diabetespatienten 15 Jahre nach Manifestation zu einem Anstieg der C-Peptidsekretion geführt. Der Effekt hielt nach zweimaliger Impfung für etwa eine Woche an. Die Ergebnisse, jetzt publiziert in PLoS One online am 8. August 2012 (1) lösten eine heftige Diskussion unter Diabetologen und Immunologen aus. Dr. Denise Faustman, die Leiterin der Studie vom Massachusetts General Hospital in Boston hatte schon vor einem Jahrzehnt publiziert, dass am Mausmodell durch BCG-Impfung ein Typ-1-Diabetes verschwinden könne. Nach ihrer Meinung wird durch die BCG-Impfung, aber auch durch das EBV-Virus, im Körper Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) produziert, welcher die dem Typ-1-Diabetes zugrunde liegende Autoimmunität attackiert. Auch nach jahrelanger Diabetesdauer finden sich offenbar noch Inselzellen, die dann wieder Insulin produzieren. Dr. Faustman plant jetzt eine Studie an mehreren hundert Patienten mit häufigeren BCG-Impfungen über längere Zeit. Offizielle Institutionen haben bisher eine Unterstützung abgelehnt, die Studie soll durch „philantropic grants only“ finanziert werden.

Kommentar: Die bald ein Jahrhundert alte BCG-Impfung wird jetzt zur Heilung auch bei Langzeit-Typ-1-Diabetes erprobt. Das Verfahren wäre bestechend, die Impfung ist einfach und billig. Eine Bestätigung schon vorliegender Befunde anderer Autoren haben diese Versuche zunächst geliefert: Auch nach über einem Jahrzehnt befinden sich im Körper von Typ-1-Diabetespatienten noch Zellen, die zur Insulinproduktion fähig sind. In welchem Ausmaß diese nach Unterdrückung der körpereigenen Immunvorgänge regenerieren können, bleibt abzuwarten. Der Immunologe Dr. Raphael Clynes von der Columbia-Universität kommentierte, dass „diese Publikation zwar eine Assoziation zwischen einer BCG-Impfung und einer vorübergehenden Besserung bei einigen Patienten gezeigt hätte, man aus diesen Befunden aber kaum schließen könne, dass TNF der kausative Faktor sei“. Jeffrey Brewer von der Juvenile Diabetes Research Foundation (JDRF) meint, „die Heilung des Typ-1-Diabetes rücke in Reichweite, aber es werde ein Marathon sein, nicht ein Sprint“ (2).

Literatur:
(1) Denise L. Faustman et al.: Proof-of-Concept, Randomized, Controlled Clinical Trial of Bacillus-Calmett-Guerin for Treatment of Long-Term Type 1 Diabetes
PLoS One, August 8, 2012 online
http://bit.ly/OMNkF6
(2) Sharon Begley: Human Study Re-Ignites Debate Over Controversial Diabetes “Cure”
http://www.medscape.com/viewarticle/768896_print

 
Publiziert von Prof. Helmut Schatz  im Blog der DGE am 25.08.2012